Tagebuch der Etappe

etappe 3 - Waregem Compiègne 236.5 km
Dienstag 10 Juli

Die Etappe im Rückblick

Fabio wunderbar!

Die längste Etappe der Tour de France drohte zu einer ganz langweiligen Angelegenheit zu verkommen. Dann kam es aber doch noch zum Showdown im Finale; sollten die vier Ausreißer die Etappe doch noch unter sich ausmachen, oder würden die Sprinter es schließlich schaffen? Weder noch! Statt dessen ist der Mann im Gelben Trikot, Fabian Cancellara, auf den letzten 600 m noch in die Führungsposition vorgeprescht und erreichte die Ziellinie gerade noch mit einer Radlänge Vorsprung vor Erik Zabel.

Die längste Etappe der Tour de France 2007 – eine 236,5 km lange Fahrt von Waregem nach Compiègne – wurde um 12.00 Uhr gestartet. Es gingen noch 187 Fahrer an den Start; Thomas Vaitkus (DSC) hat nach einem beim Massensturz in Gent davongetragenen gebrochenen Daumen nach der zweiten Etappe aufgegeben.
Bei der dritten Etappe waren drei Zwischensprints vorgesehen: bei Km 33,5 in Tournai, bei Km 104,5 in Fontaine-au-Bois (der Heimatstadt des früheren Rennleiters Jean-Marie Leblanc) und bei Km 167,5 in Achery. Der einzige Anstieg des Tages war die Côte de Blérancourt (Kategorie 4) bei Km 202,5. Die Bedingungen eher kühl mit einer Temperatur von nur 16 Grad am Start, zumindest lugte die Sonne hervor.

Französisches Ausreißerduo
Vogondy (AGR) und Ladagnous (FDJ) wagten bei Km 6 einen Ausreißversuch. Das Hauptfeld wurde von der CSC-Mannschaft angeführt und ließ die Ausreißer erst einmal davonziehen: bei Km 15 betrug der Vorsprung 1’30“ ; Km 20 – 4’10“… und als das Peloton die 25 km-Marke erreichte, hatten die beiden Ausreißer einen Vorsprung von 8’05“. Die Punkte für die erste Sprintwertung gingen an: Vogondy, Ladagnous… und Astarloza, der das Hauptfeld in Tournai mit 11’ 35“ Rückstand auf die Ausreißer anführte. Das Stundenmittel lag in der ersten Rennstunde bei 40,3 km/h. Der maximale Vorsprung des Ausreißerduos lag bei 13’50“, als das Peloton die 44 km-Marke erreichte. Das Stundenmittel lag in der zweiten Rennstunde bei 30,7 km/h.
Die Führenden der Etappe schienen sich aber nur wenig um das Rennen zu scheren: sie legten eine Pause ein, um dem Ruf der Natur zu folgen, legten die Kette auf das kleine Zahnblatt und setzten die Fahrt in gemächlichem Tempo fort. Das Stundenmittel der dritten Rennstunde lag bei 31 km/h.
Die Punkte in Fontaine-au-Bois gingen an: Ladagnous, Vogondy und Feillu – der sich an die Spitze des apathischen Pelotons setzte, das bei Km 104,5 noch 8’08” zurücklag. Ein ganz seltener Kraftakt, der den Agritubel-Sprinter punktgleich auf die dritte Position in der Punktewertung hievte.

Eigentliche Verfolgung begann bei verbleibenden 115 km
110 km vor dem Ziel war der Vorsprung des Führungsduos auf 6’40“ geschrumpft. Das Stundenmittel der vierten Rennstunde lag bei 32,8 km/h. Das Peloton hat kein allzu hohes Verfolgungstempo angeschlagen, gab sich vielmehr damit zufrieden, dass die beiden Führenden bei näher rückender Ziellinie noch eingeholt werden könnten, woraufhin diese eine Weile mit fünf Minuten Vorsprung weiterfuhren. Die Punkte für den dritten Zwischensprint gingen an Vogondy und Ladagnous, und Astarloza heimste einmal mehr die beiden Punkte für den Drittplatzierten ein. Er führte das Hauptfeld in Achery mit 3’04“ Rückstand auf Vogondy und Ladagnous an.

Augés Jagd auf die Bergpunkte
Der Fahrer, der zu Beginn der Etappe punktgleich mit David Millar in der Bergwertung lag, brach 64 km vor dem Ziel aus dem Hauptfeld aus. Augé (COF) wurde dabei von Willems (LIQ) eingeholt, der sich von der Jagd nach den Punkten für die Bergwertung wohl hatte inspirieren lassen. Bei verbleibenden 55 km hatten die Verfolger 1’45“ auf die Führenden, und das Peloton lag 4’10“ zurück. 52 km vor dem Ziel konnte das Verfolgerduo zu den beiden frühen Ausreißern aufschließen. Da lag das Hauptfeld noch 3’20“ zurück; fünf Kilometer später betrug der Rückstand noch 2’00“, Augé und Co. begannen eine gute Zusammenarbeit und erhöhten den Vorsprung 40 km vor dem Ziel noch einmal auf 3’15“. Augé absolvierte den Anstieg als Erster vor Ladagnous und Willems, und der Cofidis-Fahrer wird somit bei der vierten Etappe das Gepunktete Trikot des besten Kletterers tragen. Das Peloton wurde an der Côte de Blérancourt mit 3’17“ Rückstand von CSC- und Quick Step-Fahrern angeführt. Bei noch verbleibenden 25 km schrumpfte der Rückstand wieder auf 3’00“. Quickstep, Predictor, C.A und Lampre legten sich nun an der Spitze des Pelotons ins Zeug. 20 km vor dem Ziel führten die vier Ausreißer noch mit 2’25”; 15km – 1’50”; 10 – 1’22”…

Cancellara: Ein Sieg in Gelb!
Die Ausreißer erreichten den letzten Kilometer mit einem Vorsprung von 15“. Als Cancellara die Aufbauten des Zielbereichs erblickte, preschte er aus dem Hauptfeld hervor, überholte die Vierergruppe und hielt die Sprintspezialisten auf Abstand, um noch mit einer Radlänge vor Zabel den Sieg davonzutragen.
Er wird auch bei der vierten Etappe das Gelbe Trikot tragen.

 

Interviews

Stéphane Augé – „Ich habe bekommen, was ich wollte…“

Disappointed two days ago with his quest to get the polka-dot jersey, the Frenchman planned a strategy to conquer it today… with success!


texte : “It’s a satisfaction because it was one of my goals to wear the polka-dot jersey even if it’s for only one day and I lose it tomorrow, I got what I wanted. It was the goal of my day but then we realized that the stage victory could also be possible so we had to give everything we had. We missed out on stage success by just a few seconds. First of all we were a bit tired, then there was the cobblestone section at the finish that slowed us down and we also hesitated a little.”

Nach der Enttäuschung vor zwei Tagen auf seiner Jagd nach dem Gepunkteten Trikot hat der Franzose eine Strategie geplant, um es heute zu erobern… und mit Erfolg!

“Es ist eine Zufriedenstellung, denn es war eines meiner Ziele, das Gepunktete Trikot zu tragen, und sollte es nur für einen Tag sein und ich es schon morgen wieder verlieren, und ich habe bekommen, was ich wollte. Es war mein Tagesziel, aber dann wurde uns bewusst, dass der Etappensieg auch möglich sein könnte, und dazu mussten wir alles geben, was wir hatten. Der Tageserfolg ist uns nur um ein paar Sekunden entgangen. Zunächst waren wir ein bisschen müde, dann gab es noch den Pflastersteinabschnitt zum Finale, der uns gebremst hat, und wir haben wohl auch ein wenig gezögert.“

Matthieu Ladagnous – „Es hätte beinahe geklappt…“

Nach dem Angriff bei Km 6 hat Matthieu Ladagnous nahezu 230 km an der Spitze der Etappe verbracht. Das Tempo war fast den ganzen Tag über extrem langsam, er hat es aber dennoch als kämpferischster Fahrer der Etappe aufs Podium geschafft.

„Im gesamten Tagesverlauf war das Tempo bewusst langsam, weil wir im Hinblick aufs Finale keine schmerzenden Beine bekommen wollten. Wir wussten, dass wir bei reduziertem Tempo Ähnliches beim Peloton bewirken würden. Das Hauptfeld hat daher mit uns gespielt und wir mit ihm. Der Plan bestand darin, die letzten 40 oder 50 km möglichst mit einem Vorsprung von vier oder fünf Minuten zu erreichen, und es hätte beinahe geklappt…
„Als Augé und Willems uns eingeholt haben, habe ich wirklich angefangen, es für möglich zu halten. Ich dachte, wir wären soweit, bis dann Cancellara zu uns vorgeprescht ist und uns überholt hat. 200 m vor dem Ziel abgefangen zu werden, ist ziemlich frustrierend.

Tom Boonen – “Er war unglaublich stark…!”

Er hat zwar als Dritter, Zweiter und Vierter die ersten drei Etappen beendet, aber Tom Boonen hat allen Grund zu lächeln, auch wenn er selbst bislang noch keinen Sieg davontragen konnte. Wie alle anderen Sprinter wurde er vom cleveren Zug von Fabian Cancellara und seiner beeindruckenden Power völlig überrascht, aber ‚Tomeke’ lächelte nach Zielankunft immer noch im Grünen Trikot.

“Fabian Cancellara ist sehr schnell weggezogen. Er war unglaublich stark, und zu der Zeit folgte ich bereits dem Rad von Robbie McEwen und fuhr mein eigenes Rennen. Ich wusste, dass ich stark war, um die Etappe zu gewinnen, musste ich aber sicher sein. Ich kann nicht auf alle Bewegungen reagieren, die sich ergeben, habe also auf meine Chance gesetzt und bin McEwen gefolgt. Gegen Cancellara konnte ich nichts unternehmen.
“Alle spielten das übliche Spiel, und wir konnten auf Cancellaras Angriff nicht reagieren – oder taten es einfach nicht. Niemand wollte seine Energie schon vor dem Sprint zum Einsatz bringen.
“Ich hatte zwei Möglichkeiten: Etappen gewinnen oder das Grüne Trikot verteidigen. Wenn man Glück hat, schafft man beides an einem Tag, man muss aber schrittweise vorgehen. Ich habe den Sieg verpasst, aber des Grüne Trikot behalten.”

Fabian Cancellara – „So etwas kann man nicht planen…“

Er gewann den Prolog, behielt das Gelbe Trikot zwei Etappen lang, und dann ergriff Fabian Cancellara die Gunst der Stunde und preschte auf dem letzten Kilometer der längsten Etappe der Tour 2007 aus dem Peloton hervor. Die Sprinter haben alles versucht, was in ihren Kräften lag, um ihn noch einmal einzuholen, aber der kraftvolle schweizerische Motor lief auf „Vollgas“, und ein Siegesgruß im Gelben Trikot war die Belohnung am Ende eines langen, langen Tages.

“Ich habe die Pflastersteine gesehen und den Sieg im Gelben Trikot in der Stadt errungen, in der Paris-Roubaix gestartet wird… was kann ich dem noch hinzufügen? Es ist ein ganz besonderer Augenblick. Er ist am Ende eines langen Tages eingetreten, rückblickend aber war es ein perfekter Tag! Ich habe nie daran gedacht, die heutige Etappe zu gewinnen; ich wollte einfach nur sturzfrei die Ziellinie erreichen, weil mir bewusst wurde, dass die letzten eineinhalb Kilometer nicht einfach sein würden. Ich lag aber in günstiger Position, sah die Pflastersteine, und einige Fahrer haben ein paar Lücken freigelassen, also dachte ich mir: ‚Ich werde losfahren und Vollgas geben und sehen, wie es läuft.’
“Ich werde heute abend mit der ganzen Mannschaft feiern.
“Normalerweise würde ich nicht einmal daran denken, so etwas zu tun, aber in der Aufregung vor dem Finale setzt man einfach auf sein Bauchgefühl. So etwas kann man nicht planen…
“Der Wind hat das gesamte Peloton aufgehalten. Es ist hart, den ganzen Tag lang 240 Kilometer mit dem Wind im Gesicht zu fahren. Das ist einer der Gründe, aus denen das gesamte Peloton sich entschieden hat, langsamer zu fahren, weil wir keine Maschinen sind, sondern Menschen… aber jetzt bin ich der Sieger und habe keinen Grund zur Klage – ich bin überglücklich!“

 

Agenturmeldungen

18:40 - Die Top 5 im Ziel

1. Cancellara
2. Zabel
3. Napolitano
4. Boonen
5. Hunter

18:37 - Cancellara schafft es bis ins Ziel!

In perfekter Vorwärtsverteidigung erringt der Träger des Gelben Trikots den Etappensieg

18:36 -

18:36 - Das Gelbe Trikot übernimmt die Führung!

18:36 - Der Abstand zum Peloton

Die Führenden haben noch 20“ Vorsprung…