Tagebuch der Etappe

etappe 19 - Cognac Angoulême 55.5 km
Sonnabend 28 Juli

Die Etappe im Rückblick

Der Tag der Dominanz für Discovery!

Nur 31 Sekunden trennen den ersten Fahrer in der Gesamtwertung vom dritten Platz nach 3.423,9 Rennkilometern! Levi Leipheimer ist mit seinem Sieg beim 55,5 km langen Einzelzeitfahren von Cognac nach Angoulême fast der ganz große Coup gelungen… er endete nur acht Sekunden hinter Cadel Evans im Gesamtklassement, hat aber dennoch mehr als nur einen Grund zum Feiern. Nicht nur hat Levi die Etappe gewonnen, sondern sein Teamgefährte Alberto Contador hat die Zeiteinbußen auf den zweitplatzierten Cadel Evans in Grenzen halten können und wird das Gelbe Trikot bei der letzten Etappe tragen.

Hoste, eifriger Teamgefährte
Der fest mit dem letzten Platz in der Gesamtwertung verhaftete Wim Vansevenant nahm als Erster das Zeitfahren in Cognac in Angriff. Der Belgier sollte aber nicht das Privileg auskosten, das Rennen anzuführen, da Sven Krauss, der als dritter Fahrer an den Start ging, unterwegs sowohl Geraint Thomas als auch Vansevenant überholen sollte. Gleich danach konnte Bram de Groot die Bestzeit leicht verbessern, die erste Sensation des Tages aber lieferte Leif Hoste. Der eigentlich von Cadel Evans zur Erkundung losgeschickte belgische Zeitfahrmeister machte sich so eifrig an seinen Erkundungsauftrag bei hoher Geschwindigkeit, dass er eine erstklassige Endzeit hinlegen konnte: 1 St. 05’32’’.

Cancellara mit Ladehemmung
Der Flame wurde als guter Durchschnittsfahrer in den Prognosen nicht begünstigt. Der selten angefochtene Meister der Disziplin – Fabian Cancellara – hingegen sollte mit dem Etikett des Favoriten an den Start gehen, insbesondere auf einer eher flachen Strecke, die ihm auf den Leib geschrieben schien. Der Weltmeister der Disziplin sollte aber an Ladehemmung leiden und mit sieben Sekunden Rückstand auf Hoste ins Ziel kommen. David Millar zeichnet sich normalerweise auch als Spezialist in der Kategorie der Einzelzeitfahrer aus. Er wurde jedoch gleich nach dem Verlassen der Startrampe durch die Ablösung des Reifens von der Felge seines Hinterrades behindert. Die durch den Radwechsel verlorene Zeit sollte all seine Hoffnungen zunichte machen.

Karpets beeindruckt
Die von Hoste erzielte Zeit sollte lange die Referenz bleiben, dann aber durch einen brutalen Angriff von George Hincapie unterboten werden: 15“ schneller. Der vom Amerikaner hinterlassene schnelle Eindruck sollte dem Vergleich mit Gutierrez und dann Karpets nicht standhalten, die nacheinander die vorläufige Führung im Zeitfahren übernahmen.

Leipheimer, ganz nahe am großen Coup
Dann begann das Fernduell zwischen Evans und Contador um den Gesamtsieg. Ziel des Australiers war es, einen Rückstand von 1’50“ wettzumachen, um seinem Rivalen das Gelbe Trikot abzunehmen. Im Ziel haben seine Bemühungen ihn nur bis auf 23“ an den Führenden heranrücken lassen. Vor allem aber ist das Team Discovery Channel ganz nahe an einem Doppelerfolg im Klassement vorbeigestreift. Nach einer Zeitfahrt der Sonderklasse – mit einem Stundenmittel von 53,08 km/h – hat Levi Leipheimer die beste Tageszeit erzielt und damit seinen ersten Etappensieg bei der Tour de France errungen. Er liegt nun auch 8“ hinter Evans in der Gesamtwertung.

 

Interviews

Cadel Evans : « Was passiert ist, ist passiert »

Cadel Evans ist es nicht gelungen, seinen Rückstand auf Alberto Contador gänzlich wettzumachen. Der Abstand zwischen den beiden Führenden der Gesamtwertung beträgt vor der letzten Etappen nach Paris nur noch 23“.

« Ich bin das Zeitfahren sehr gut angegangen. Im mittleren Teil dann habe ich verstanden, dass Leipheimer sehr schnell sein würde, ich hatte dies im übrigen meinem sportlichen Leiter heute morgen gesagt, denn ich wusste, dass man ihn im Auge behalten müsste. Alle sprachen nur von dem Abstand zwischen Contador und mir, aber Levi war auch sehr nahe an mir dran. Ich habe mir gesagt: ‚wenn du in diesem Teil so schnell wie er sein kannst, hoffe ich, dass meine Kraft im letzten Teil, in dem es ein paar leichte Anstiege gibt, zurückkehren wird’. Wenn ich langsamer geworden wäre, hätte ich meinen zweiten Platz verloren.
Ich meine, die Tour de France verloren zu haben, als die Astana-Mannschaft keine Nachführarbeit im Col de Peyresourde geleistet hat. Oder vielleicht habe ich sie verloren, als Contador und Rasmussen den Abstand in den Steigungen erhöht haben, auch da habe ich Zeit verloren. Vielleicht auch am Aubisque. Es ist im Grunde eine Kombination von Elementen, aber was passiert ist, ist passiert, ich bin eher zufrieden.
Ich war von Caisse d’Epargne und Astana abhängig, um mir in der Etappe nach Loudenvielle bei der Verfolgung zu helfen, sie waren aber nicht interessiert, und da habe ich 55“ auf Contador verloren. Es bleibt trotzdem die beste Tour, die ich je gefahren bin ».

Levi Leipheimer : « Überwältigt von der Emotion »

Levi Leipheimer gewinnt in Angoulême seine erste Etappe bei der Tour de France. Ein toller Erfolg für den Amerikaner, der die Tour als Dritter der Gesamtwertung beendet.

« Es zu schaffen, auf einem Fahrrad so schnell zu sein, ist der Traum meines Lebens, insbesondere bei einer Etappe der Tour de France. Das wollte ich immer einmal schaffen: eine Bergetappe oder ein Zeitfahren gewinnen, weil ich weiss, dass ich da am stärksten bin. Ich glaube, nach dem heutigen Tag habe ich es mir wirklich verdient, in Paris aufs Podium zu steigen.
Ich fing schon bei halber Strecke an, sehr zufrieden zu sein, weil ich die Kommentare von Dirk Demol gehört habe, der mir sagte, dass ich sehr schnell unterwegs sei. Er wusste, dass ich genügend Vorsprung hatte, um in den Kurven eher vorsichtig zu sein und darauf zu achten, genügend Energie für das Ende zu behalten. Ich glaube, ich war überwältigt von der Emotion und bin immer schneller gefahren.
Der Gedanke, das Gelbe Trikot zu erobern, ist mir durch den Kopf gegangen. Es hätte soweit kommen können, wenn Alberto oder Cadel einen schlechten Tag gehabt hätten, aber ganz ehrlich gesagt, habe ich sehr an Alberto geglaubt. Er hat sich einen großen Vorsprung herausgearbeitet, und er hatte in den letzten Tagen viel Druck auf den Schultern. Aber trotz seiner 24 Jahre hat er sich bemerkenswert geschlagen, es ist unglaublich. Der Besuch von Lance Armstrong heute morgen im Bus war eine große Quelle der Motivation für die Mannschaft. Er war ein wenig nervös, besorgt, wie wir alle, das hat uns aber dabei geholfen, noch leistungsfähiger zu sein. Wir haben alle gespürt, dass er hinter uns stand. Wir waren hier, um etwas Großes zu leisten, und seine Präsenz war für uns eine Kraft ».

Alberto Contador : « Ich fange an, mich wie der Toursieger zu fühlen»

Der junge Spanier hat sein Ziel erreicht und die Zeiteinbuße auf Cadel Evans im Zeitfahren in Grenzen gehalten. Er führt weiterhin in der Gesamtwertung vor der letzten Etappe in Paris – mit 23“ Vorsprung.

« Ich widme diesen Sieg meiner Familie, die mich während meiner gesamten Karriere immer unterstützt hat. Sie waren wirklich überaus wichtig, als ich schwere gesundheitliche Probleme im Anschluss an eine Gehirnoperation hatte. Es steht noch ein Renntag an, ich fange aber jetzt an, mich wie der Toursieger zu fühlen. Dies ist für mich eine Möglichkeit, allen Fans, die mich an den Straßen begleiten und anfeuern, all das zurückzugeben, was sie mir geben.
Das war ein beeindruckendes Zeitfahren, und ich habe versucht, immer weiter zu fahren, trotz des Drucks, den mir Cadel Evans und Levi Leipheimer gemacht haben. Ich hatte einen Vorsprung zu verteidigen und habe ein wenig Zeit verloren, das habe ich aber auch erwartet. Cadel ist ein sehr guter Zeitfahrer, und er hat es auch heute unter Beweis gestellt.
Levi war extrem schnell, das ist eine tolle Art, die Tour für die Mannschaft abzuschließen: ein Etappensieg und das Gelbe Trikot vor der Etappe nach Paris! ! »

 

Agenturmeldungen

17:44 - Die Top 10 der Gesamtwertung

Alberto Contador hat sein Gelbes Trikot behalten. Nach dem entscheidenden Zeitfahren von Cognac nach Angoulême lautet die neue Top 10:
1. Alberto Contador (ESP) DSC
2. Cadel Evans (AUS) PRL - + 23"
3. Levi Leipheimer (USA) DSC - + 31"
4. Carlos Sastre (ESP) CSC - + 7’08"
5. Haimar Zubeldia (ESP) EUS - + 8’17"
6. Alejandro Valverde (ESP) GCE - + 11’37"
7. Kim Kirchen (LUX) TMO - + 12’18"
8. Yaroslav Popovych (UKR) DSC - + 12’30"
9. Mikel Astarloza (ESP) EUS - + 14’14"
10. Oscar Pereiro (ESP) GCE - + 14’25"

17:42 - 31 Sekunden trennen die Top 3 in der Gesamwertung

Nur 31 Sekunden liegen zwischen dem ersten und dritten Platz nach 19 Etappen der Tour de France 2007. Levi Leipheimer liegt nach dem Zeitfahren nur noch 8 Sekunden hinter Cadel Evans.

17:30 - Etappensieg für Leipheimer

Der Amerikaner erringt seinen ersten Etappensieg bei der Tour de France.

17:29 - Contador im Ziel

Der Spanier behält mit 1’27“ Rückstand auf Cadel Evans das Gelbe Trikot der Tour de France 2007 für die letzte Etappe morgen nach Paris.

17:23 - Evans im Ziel

Er hat 51“ Rückstand auf Leipheimer…