Tagebuch der Etappe

etappe 17 - Pau Castelsarrasin 188.5 km
Donnerstag 26 Juli

Die Etappe im Rückblick

Bennati gewinnt, während Contador sein Weißes gegen ein Gelbes Trikot eintauscht

Eine Ausreißergruppe von acht Fahrern hat sich bei der 5 Km-Marke abgesetzt und die gesamte Strecke bis zum finalen Anstieg bei dieser Übergangsetappe gut zusammen gearbeitet. Eine Reihe von Beschleunigungen auf den letzten 20 km hat die Gruppe aber wieder aufgesplittert, bis nur noch vier Fahrer im Kampf um den Sieg übrig geblieben sind. Daniele Bennati konnte sich beim Schlusssprint leicht gegen Markus Fothen, Martin Elmgiger und Jens Voigt durchsetzen und seiner Lampre-Mannschaft den ersten Sieg bei der Tour seit sechs Jahren bescheren. Derweil kann Alberto Contador sein Weißes Trikot des führenden Fahrers bei den Jungprofis gegen das Gelbe Trikot eintauschen, da er einen Tag nach dem Rückzug des insgesamt führenden Michael Rasmussen von der Tour de France die Führung in der Gesamtwertung übernommen hat.

Die 188,5 km lange 17. Etappe der Tour de France 2007 von Pau nach Castelsarrasin hat um 13.00 Uhr begonnen. Es waren bei der Einschreibung noch 142 Fahrer am Start, der auffälligste Ausfall war der des doppelten Etappengewinners und Führenden in der Gesamtwertung, Michael Rasmussen (RAB). Der Däne ist von seinem Team vom Rennen zurückgezogen und im weiteren Verlauf des Abends vom 25. Juli entlassen worden. „Eine unkorrekte Angabe seines Aufenthaltsortes ist ein flagranter Verstoß gegen die UCI-Regeln und somit inakzeptabel,“ war in der offziellen Erklärung der Mannschaft zu lesen. Daher ist bei der heutigen Etappe kein Gelbes Trikot im Peloton mitgefahren. Die sieben verbliebenen Mitglieder der Cofidis-Mannschaft haben das Rennen nach der Ankündigung einer positiven Dopingprobe von Cristian Moreni auf Testosteron nach der 11. Etappe ebenfalls verlassen. Der Italiener hat die B-Probe gar nicht mehr eingefordert.
Die Etappe umfasste heute sechs Anstiege mit Punkten für das Gepunktete Trikot, und zwar: die Côte de Baleix (bei Km 23) der 3. Kat., gefolgt von fünf Anstiegen der 4. Kat. – Côte de Villecomtal (Km 54), Côte de Mielan (Km 59,5), Côte de Ste-Dode-aux-Croix (Km 63,5), Côte de Theux (Km 72,5) und Côte de la Montagnère (Km 169,5). Die Zwischensprints waren in Rabastens-de-Bigorre (Km 44,5) und Solomiac (Km 146,5) angesiedelt.

Caisse-Team führt 100 km lang die Verfolgung an
Florencio (BTL) hat gleich zu Beginn der Etappe attackiert, ist aber kurz darauf wieder gestellt worden. Bei Km 5 sind acht Fahrer ausgerissen, dies waren: Voigt (CSC), Elmiger (A2R), Bennati (LAM), Righi (LAM), Fothen (GST), Quinziato (LIQ), Tosatto (QSI) und Millar (SDV). Beim ersten Anstieg hatte die Gruppe einen Vorsprung von 1’10”. Bouygues Télécom leistete zunächst die Nachführarbeit im Peloton. Das Stundenmittel betrug für die erste Rennstunde 47,3 km/h. Dann setzte sich die Caisse d’Epargne nach dem ersten Sprint an die Spitze des Pelotons, um die Ausreißergruppe in Zaum zu halten. Die Führung betrug 2’20“ bei Km 19 und wurde beim zweiten Anstieg auf 1’30“ reduziert. Die Caisse d’Epargne setzte ihre Bemühungen fort bis zur 105 Km-Marke, als die Ausreißer nur 2’55“ vorne lagen; fünf Kilometer später war der Vorsprung auf 4’20“ angewachsen, 6’30“ bei Km 121; 7’30“ bei Km 135. Denis Menchov (RAB) hat kurz nach dem Verpflegungsbereich aufgegeben. Das Stundenmittel für die dritte Rennstunde betrug 43,1 km/h. Dann hat Team Discovery Channel die Nachführarbeit übernommen, nachdem die Caisse d’Epargne ihre Bemühungen eingestellt hat.

Bennati gewinnt seine erste Etappe bei der Tour & Contador tauscht das Weiße gegen das Gelbe Trikot…
Die Attacken in der Führungsgruppe wurden am Fuße des finalen Anstiegs von Elmiger gestartet. Dann hat Voigt zum Angriff geblasen, danach noch Fothen; in dieser Abfolge von Angriffen sind Righi und Quinziato von der Führungsgruppe abgehängt worden. Als nächste Fahrer waren Millar und Tosatto an der Reihe. Bei noch verbleibenden 10 km führten Elminger, Voigt, Bennati und Fothen mit 1’00“ vor Millar und Tosatto und mit 1’50“ vor den anderen beiden. Es gab noch einige Versuche auf den letzten fünf Kilometern, die vier übriggebliebenen Ausreißer sind aber gemeinsam unter der ‚flamme rouge’ vorbeigefahren. 200 m vor dem Ziel hat dann Fothen auf der rechten Seite der Straße noch einmal eine Attacke gestartet, wurde aber von Bennati eingeholt, der den Sprint leicht vor dem jungen Deutschen beenden konnte. Dies war Bennatis erster Sieg bei der Tour de France und Lampres erster Sieg, seit Svorada zum Ende der Ausgabe 2001 in Paris gewonnen hatte.
Tom Boonen führte das Peloton 9’37” hinter Bennati ins Ziel. Alberto Contador beendete die Etappe als 20. (9’39” zurück); er wird bei der 18. Etappe das Gelbe Trikot tragen.

 

Interviews

Daniele Bennati – “Ich wusste, dass ich gute Beine hatte …”

Die Etappen, welche die Berge vom abschließenden Zeitfahren trennen, werden gemeinhin von einer Ausreißergruppe entschieden, die dann um den Etappensieg kämpfen. Daniele Bennati ist am ehesten als Sprintspezialist bekannt, ist aber ein taktisch kluges Rennen gefahren, um letztlich seinen ersten Sieg bei der Tour de France zu erringen.

“Ich wusste, dass es in der dritten Woche selten eine Aussicht darauf gibt, dass das Peloton im Finale geschlossen zum Schlusssprint kommt, und so musste ich mein Glück versuchen und mich möglichst einer Ausreißergruppe anschließen. Schon beim Start heute morgen wusste ich, dass ich gute Beine hatte. Die ersten 90 Kilometer waren sehr schwierig, wir sind beständig am Limit gefahren, und das Peloton wollte uns einfach nicht viel Vorsprung lassen. Dennoch haben alle in der Ausreißergruppe gut zusammengearbeitet, und nach etwa 100 Kilometern haben sich die Dinge ein wenig beruhigt.
“Danach habe ich befürchtet, dass eine kleine Gruppe es nicht bis ins Finale für einen Sprint schaffen würde, weil die anderen wussten, dass ich stark war und dass ich gute Aussichten auf einen Etappensieg beim Sprint haben würde. Daher musste ich alle genau beobachten und sicherstellen, mich nicht durch eine Attacke überraschen zu lassen. Der Sprint war nicht besonders schnell im Vergleich zu einem Massenspurt, aber nach 180 km in einer Ausreißergruppe war ich doch froh, noch die Energie finden zu können. Mir ist erneut bewusst geworden, dass ich gute Beine hatte.”

Tom Boonen – “Ich habe angefangen, den Traum zu wagen …”

Nach drei harten Etappen in den Pyrenäen ist die Aufmerksamkeit zum Grünen Trikot zurückgekehrt. Tom Boonen hat eine klare Führung in der Punktwertung, musste sich aber heute für den Sprint um den neunten Platz motivieren… was keine leichte Sache ist für einen Fahrer, der zugibt, sich eher an Siege gewöhnt zu haben.

“Ich fange langsam an, die Möglichkeit, in Paris auf dem Podium zu stehen, ins Auge zu fassen. Ich war 2005 dort, als ich die Etappe auf den Champs-Elysées gewonnen habe, ich weiß also ein wenig, wie sich das anfühlt. Aber die Tour im Grünen Trikot zu beenden, ist etwas Besonderes. Ich habe angefangen, den Traum zu wagen, dass es tatsächlich klappen könnte, es stehen aber noch ein paar schwere Tage an, und ich hoffe, dass alles gut ablaufen wird.
“Ich tue alles, was erforderlich ist, um meine Führung in der Punktwertung zu behalten. Psychologisch liegen die anderen ein klein wenig zurück, weil sie nicht mehr allzu viele Möglichkeiten haben, und das ist Härteste bei der Tour; man muss um jeden Punkt sprinten, und für Sprinter, die es gewohnt sind, häufig zu gewinnen, ist es nicht leicht, auch um den neunten Platz sprinten zu müssen.
“Ich werde froh sein, am Sonntagabend die Heimreise anzutreten. Ich möchte nicht in Paris bleiben; ich will nach Hause und in meinem Bett schlafen, es war eine lange Tour.”

Johan Bruyneel – “Ich war sehr überrascht …”

Der Manager der Mannschaft von Alberto Contador weiß, was es erfordert, um die Tour de France zu gewinnen, und wenige Tage vor dem Ende der Tour-Ausgabe 2007 hat Johan Bruyneel einmal mehr einen Fahrer aus seiner Mannschaft im Gelben Trikot. Sein junger spanischer Fahrer führt nach 17 Etappen in der Gesamtwertung vor Cadel Evans mit 1’53“, und Bruyneel glaubt, dass dies für Contador reichen sollte, um den Sieg zu erringen.

“Dies ist nicht die Art und Weise, auf die wir uns erhofft hatten, das Gelbe Trikot zu erobern. Die Mannschaft hat in den Pyrenäen alles versucht; die Fahrer haben attackiert, und Rasmussen hat gezeigt, dass er auf der Straße stärker war, nun auf einmal haben wir aber doch die Führung bei der Tour übernommen.
“Ich war sehr überrascht, als ich von der Entscheidung gehört habe, Rasmussen zurückzuziehen, und ich war überhaupt nicht glücklich. So sollen die Dinge sich nicht abspielen.
“Jeder einzelne Fall ist anders, es gab aber viele Elemente rund um die Entscheidung von Rabobank und sehr viel Druck. Zu einem bestimmten Zeitpunkt muss man eine Entscheidung fällen, und ich glaube, sie haben der Kritik so lange wie möglich standgehalten, aber es bleibt eine schwere Entscheidung. Wenn man im größten Rennen der Welt führt und dann aussteigen muss… dann ist das eine mutige Entscheidung.
“Ich glaube, dass die Führung von Alberto ausreichen sollte. Cadel ist wohl ein besserer Spezialist im Zeitfahren, es liegt aber ganz am Ende des Rennens, und ich glaube, 1’53“ müssten ausreichen.”

Jens Voigt – “Ich versuche es immer wieder gerne …”

Einer der deutschen Fahrer beim erfolgreichen Ausreißversuch der heutigen Etappe nach Castelsarrasin hat – im Anschluss an eine gelungene Attacke - zuvor bereits zweimal einen Tageserfolg bei der Tour einstreichen können, heute sollte aber nicht der Tag von Jens Voigt sein. Er beendete die Etappe beim Sprint als Vierter von vier Fahrern, die noch zum Kampf um die heutige Etappe angetreten sind, er wurde aber zum kämpferischsten Fahrer gewählt.

“Dies ist meine 10. Tour de France, ich war wohl schon bei rund 50 Ausreißergruppen dabei und habe nur zweimal gewinnen können. Aber wenn man es nie versucht, kann man auch nicht gewinnen, deshalb versuche ich es immer wieder gerne. Ich bin jetzt 35, und die Dinge werden in meinem Alter nicht einfacher… nein, aber im Ernst, ich habe versucht, was ich konnte, und vielleicht haben meine Rivalen mich etwas mehr im Auge behalten, oder die Umstände haben einfach nicht gestimmt. Ich habe es mit der gleichen Taktik versucht, wie ich dies gemeinhin tue, weil es die sicherste Sache ist: ich komme gerne alleine an der Ziellinie an, denn dann kann man auch den Sprint nicht verlieren. Andere Fahrer trainieren auch hart und sind auch gute Rennfahrer, aber sie kennen mich und beobachten mich genau.“

Alberto Contador – “Ich hoffe, dass meine Zeit auf Evans ausreichen wird…”

Er hat die Wertung der Jungprofis voll unter Kontrolle und in diesem Jahr bereits eine Etappe gewonnen, aber der Rückzug von Michael Rasmussen über Nacht bedeutet, dass Alberto Contador die Nachfolge beim Gelben Trikot antritt. Der Tausch des Weißen Trikots gegen das Gelbe wurde nach einer heißen, schnellen Übergangsetappe vorgenommen, bei der es eine mit hohem Tempo geführte Verfolgung von acht Ausreißern durch die Caisse d’Epargne-Mannschaft gegeben hat, der junge Spanier, der nunmehr die Führung bei der Tour de France übernommen hat, denkt bereits an das Zeitfahren am vorletzten Tag.

“Es ist eine normale Situation: wenn das Gelbe Trikot das Rennen verlässt, übernimmt der Zweitplatzierte in der Gesamtwertung die Führung. Es kommt ein bisschen überraschend für mich, aber die Führung bei der Tour de France ergibt sich aus den vorangehenden Ereignissen. Ich habe gestern alles versucht, um das Trikot bei der härtesten Etappe des Rennens zu erobern, bin aber gescheitert, weil Rasmussen einfach zu stark war, dies sind aber die Umstände.
“Jetzt will ich nur so schnell wie möglich zurück ins Hotel und mich ein wenig ausruhen, denn morgen wird wieder eine sehr lange Etappe sein.
“Heute war nur der letzte Teil der Etappe relative ruhig. Meine Mannschaft hat gut für mich gearbeitet, aber der erste Teil war extrem schnell. Die ersten 80 km sind mit extrem hohem und beeindruckendem Tempo gefahren worden, danach hat sich dies dann zum Ende hin wieder beruhigt.
“Ich hoffe, dass meine Zeit auf Cadel Evans ausreichen wird, aber er ist ein überaus starker Fahrer und hat bereits einige sehr gute Zeitfahrten absolviert. Es wird ein langes, über 50 km flach geführtes Zeitfahren werden, und ich werde alles versuchen, um den Abstand zu halten.”

 

Agenturmeldungen

17:19 - Die Top 5

1. Bennati
2. Fothen, identische Zeit
3. Elmiger, i.Z.
4. Voigt, i.Z.
5. Millar, 2’41’’ Rückstand

17:16 - Bennati siegt

Fothen hat 200 Meter vor dem Zielstrich beschleunigt, wird aber Daniele Bennati übertrumpft, der somit seinen ersten Etappensieg bei der Tour de France feiert.

17:15 - Bennati schließt die Lücke zu Fothen

Auf den letzten Metern sind Voigt, Elmiger, Bennati und Fothen eng beisammen...

17:14 - Antritt von Fothen

Fothen zieht kurz vor dem letzten Kilometer an...

17:13 - 2 Km vor dem Ziel

Voigt, Elmiger, Bennati und Fothen sind weiterhin zusammen und beobachten sich gegenseitig...