Tagebuch der Etappe

etappe 16 - Orthez Gourette - Col d’Aubisque 218.5 km
Mittwoch 25 Juli

Die Etappe im Rückblick

Rasmussen, die Zweite

Bei der letzten Bergetappe wurden die Positionen an der Spitze der Gesamtwertung gefestigt. Durch eine Ausreißaktion, bei der Sastre und Mayo ihr Glück versuchten, konnte Mauricio Soler die Führung in der Bergwertung übernehmen, doch heißt der große Gewinner des Tages Michael Rasmussen. Er fand die richtige Antwort auf die Offensive von Discovery Channel im Anstieg zum Col de l’Aubisque, hielt seinen Hauptrivalen Alberto Contador in Schach und fügte seiner Titelbilanz einen weiteren Etappensieg bei der Tour de France hinzu.

Barloworld führt das Feld an
Nachdem die Fahrer der französischen Mannschaften und des Teams Gerolsteiner den fiktiven Start im Rahmen einer Protestaktion als Zeichen gegen Doping symbolisch verzögern, beginnt das Rennen mit einer Attacke von Stéphane Augé bei Km 8. Mit Garcia Acosta, Verdugo und Rinero bildet er eine kleine Gruppe, die das Feld rasch distanziert: Bei Km 30 beträgt ihr Vorsprung 8’50’’. Die Führungsarbeit von Barloworld an der Spitze des Hauptfeldes gefährdet die Ausreißer zunächst nicht, die so mit einem Polster von 8’55’’ den Anstieg zum Port de Larrau in Angriff nehmen.

Gegenattacke von Soler
Soler nutzt unverrichteter Dinge die ersten Meter des Anstiegs für eine Gegenattacke. Ihm folgen Sastre und Mayo, mit denen er zunächst zu Augé und Rinero aufschließt, und dann auch zu Verdugo und Garcia Acosta. Bei Km 110 nach dem Passieren von Alto Laza bildet sich diese siebenköpfige Gruppe an der Spitze. Der Anstieg zum Col de la Pierre-Saint-Martin bedeutet das Ende des Abenteuers für Rinero und Augé. Das rein spanischsprachige Quintett setzt die Fahrt zum Gipfel ohne Aussetzer fort und verbucht einen Vorsprung von 4’55’’ auf das Feld.

Rabobank verschärft das Tempo
Vor dem Anstieg zum Col de Marie-Blanque verfügen Soler (BAR), Sastre (CSC), Mayo (SDV), Verdugo (EUS) und Garcia Acosta (GCE) noch immer über einen soliden Vorsprung von etwa 5’. Dem steilen Anstieg muss Garcia Acosta rasch Tribut zollen, dann fällt auch Verdugo zeitweilig kurz vor dem Überqueren des Gipfels zurück. Inzwischen haben die Rabobank-Fahrer die Schlagzahl deutlich erhöht, wodurch die Gruppe um das Gelbe Trikot bis auf etwa 15 Akteure dezimiert wird. Auf dem Gipfel beträgt der Rückstand auf die Führenden nur noch 2’25’’.

Contador versucht es immer wieder
Vor dem Endanstieg hat das Spitzenquartett nur noch einen Vorsprung von knapp einer Minute. 15 Km vor dem Ziel wagt Soler einen Antritt, doch reicht seine Kraft nicht. Die Attacke von Sastre ist wirksamer, er setzt die Fahrt mit Mayo fort. Aber im Hauptfeld starten die Discovery-Fahrer eine Offensive: Popowitsch macht den Auftakt, und die Auslese ist brutal. 9,5 Km vor dem Ziel werden Sastre und Mayo gestellt und stehen gelassen. 9 Km vor dem Ziel sind in der Spitzengruppe nur noch die ersten Vier der Gesamtwertung übrig: Rasmussen, Contador, Evans und Leipheimer. Der spanische Herausforderer bläst sofort wiederholt zur Attacke, doch ist die direkte Folge lediglich, dass Cadel Evans 5,5 Km vor dem Zielstrich für die Schlussphase ausfällt. Angesichts dieser Machtlosigkeit fügen sich Contador und Leipheimer auf den letzten beiden Kilometern in ihr Schicksal. Unter dem roten Teufelslappen lassen sie Rasmussen bei dessen Antritt ziehen. Der Däne erringt auf dem Col d’Aubisque seinen vierten Etappensieg bei der Tour de France.

 

Interviews

Michael Rasmussen: «Die Menschen lassen ihren Frust an mir aus.»

Michael Rasmussen, Etappensieger auf dem Col de l’Aubisque, behauptet die Führung in der Gesamtwertung mit einem Vorsprung von 3’10’’ auf Alberto Contador.

«Es stimmt, dass ich beim Start ausgepfiffen wurde, und auch im restlichen Etappenverlauf. Ich glaube, dass sich momentan bei den Radsport-Anhängern viel Frust bezüglich der gestrigen Geschehnisse rund um Wino angestaut hat. Ich denke, dass die Menschen jetzt, wo er nicht mehr dabei ist, ihren Frust an mir auslassen. Ich verstehe nun, was Lance Armstrong sieben Jahre lang mitgemacht hat, und mein Respekt für ihn wächst jeden Tag.
Der einzige positive Aspekt, den ich aus der Akte Winokurov mitnehme, ist die Funktionstüchtigkeit des Kontrollsystems. Ich füge hinzu, dass ich seit Tourbeginn 14 Mal negativ getestet worden bin.
Jetzt hat der Gesamtsieg mehr Bedeutung als der Etappensieg. Aber in dieser Position konnte ich die Etappe gewinnen. Also die Königsetappe der Tour im Gelben Trikot für mich zu entscheiden, diese Gelegenheit konnte ich unmöglich verstreichen lassen.»

 

Agenturmeldungen

17:29 - Die Top 5

1. Rasmussen
2. Leipheimer, 26’’
3. Contador, 35’’
4. Evans, 43’’
5. Soler, 1’25’’

17:29 - Weiterer Dopingfall überschattet Tour

Heute Abend sollen nähere Auskünfte über eine weitere positive Doping-Probe von der 11. Etappe bekannt gegeben werden. Unter den an diesem Tag kontrollierten Fahrern befand sich auch das Gelbe Trikot Rasmussen. Es wurden Spuren von exogenem Testosteron gefunden.

17:27 - Hinter Rasmussen

Hinter Rasmussen kommen in dieser Reihenfolge Leipheimer, Contador, Evans und Soler ins Ziel.

17:22 - Rasmussen siegt

Der Däne gewinnt seine zweite Etappe bei der Tour 2007.

17:21 - Teufelslappen

Evans liegt 25’’ Sekunden zurück.