
Loudenvielle - Le Louron
196 km
Montag 23 Juli
Alexandre Winokurov kann mit dem Begriff Niederlage nicht viel anfangen. Ein Tag, nachdem er fast eine halbe Stunde auf den Fahrer im Gelben Trikot eingebüßt hat, ist der Kapitän der Astana-Mannschaft wieder aus einer relativen Versenkung aufgetaucht und hat das Feld an einem Tag mit fünf imposanten Gebirgspässen niedergerungen. Es war ihm gleich, was da vor ihm lag, denn der 33jährige wollte unbedingt beim Ausreißversuch des Tages bei dieser 15. Etappe dabei sein. Er attackierte frühzeitig; zog bei einer Gruppe mit hochrangigen Mitausreißern mit und fuhr immer weiter. Bei jedem Anstieg konnte er die führende Gruppe von 25 Fahrern weiter ausdünnen, und 6 Kilometer vor dem letzten Anstieg fuhr er dann alleine. Nichts jagt ihm Angst ein: weder seine Knieschmerzen noch ein drohender Kollaps oder die Risiken einer schnellen Abfahrt zum Ende der Etappe . Er hat sich einen zweiten Sieg in drei Tagen gesichert. Und auch wenn Rasmussen weiter das Gelbe Trikot trägt, wird die ‚Mystery Tour’ 2007 wohl nach dem zweiten Ruhetag weiter anhalten…
Die 196 km lange 15. Etappe von Foix nach Loudenvielle hat um 11.28 Uhr begonnen. Es sind noch 163 Fahrer an den Start gegangen: Pozzato (LIQ) und Gilbert (FDJ) haben sich nicht mehr zur Etappe eingeschrieben. Die heutige Strecke umfasste fünf Anstiege: den Col de Port der 2. Kat. (bei Km 27,5km), den Portet d’Aspet der 2. Kat. (bei Km 99,5), den Col du Mente der 1. Kat. (bei Km 114), den Port de Bales außer Kategorie und den Col du Peyresourde der 1. Kat. (bei Km 184,5). Die Zwischensprints waren in Saint-Girons (bei Km 68) und Marignac (bei Km 127) angesiedelt.
Spitzenfahrer unter den ersten Ausreißern
Einmal mehr hat Chavanel (COF) gleich nach dem Start attackiert, konnte sich aber nicht entscheidend absetzen. Es sollte sich schon bald zeigen, dass die Etappe voller Überraschungen sein würde. Verdugo konnte sich mit einer Attacke bei Km 10 einen Vorsprung herausarbeiten, kurz danach stießen Pereiro, Valverde, Menchov, Moreau und Winokurov hinzu. Sie wurden 5 km vom Gipfel wieder eingeholt. Verdugo setzte aber nach und wurde vor dem Gipfel von Garate, Tschopp, Arroyo, Menchov, Gadret, Goubert, Kohl, Beltran, Winokurov und Cobo verstärkt. Garate führte die Ausreißergruppe über den Port-Pass, während das Peloton hier 25” zurücklag. Auf der Abfahrt kam es noch einmal zu einem großen Zusammenschluss. Das Stundenmittel für die erste Rennstunde lag bei 37,5 km. Der Zusammenschluss erfolgte bei Km 38. Dessel (A2R) hat vor dem ersten Gipfel aufgegeben, Le Mével (C.A) auf der Abfahrt gestürzt und musste mit Verdacht auf gebrochenes linkes Schlüsselbein ins Krankenhaus transportiert werden.
Winokurov will unbedingt in die Ausreißergruppe
Arroyo, Kirchen, Arvesen, Vande Velde, Menchov, Turpin, Zubeldia, Landaluze, Perez, Bennati, Vila, Kohl, Halgand, Hincapie, Lefèvre, Tschopp, Albasini, Vaugrenard, Garate, Knees, Winokurov, Ivanov, Navarro und Cobo bündelten bei der 40 Km-Marke die Kräfte. Das Peloton hat das Tempo gedrosselt, woraufhin der Vorsprung der 25 Ausreißer schnell anwachsen konnte. Bei Km 59 lag das Hauptfeld 6’00“ zurück. In Saint-Girons (Km 68) war der Vorsprung auf 7’35“ gestiegen. Das Stundenmittel für die zweite Rennstunde lag bei 45,7 km/h. Sechs Fahrer der Rabobank-Mannschaft setzten sich an die Spitze des Pelotons, das am Fuße des Portet d’Aspet 9’20“ zurücklag. Der einzige Angriff beim zweiten Anstieg kam von Lefèvre, der sich 50 Meter vor dem Gipfel von der Ausreißergruppe abgesetzt hat, um die maximale Punktzahl für die Bergwertung einzuheimsen. Das Peloton lag am Gipfel 7’50“ zurück.
Col de Mente
Das Peloton lag zu Beginn des 3. Anstiegs 7’30“ zurück. Es gab keine Anzeichen für Angriffe bei diesem 3. Gipfelsturm. Garate setzte sich bei einer kleinen Attacke über den Gipfel an die Spitze vor Lefèvre und die anderen. Das Hauptfeld hatte beim Anstieg Zeit verloren und lag am Gipfel 8’30“ hinter der Gruppe um Garate.
Port de Balès
Landaluze hat 22 km vor dem 4. Anstieg beschleunigt. Kurz darauf stießen Ivanov, Tschopp, Kohl und Arroyo zu ihm vor. Am Fuße des Port de Balès lag die Gruppe 50” vor den anderen 20 Ausreißern und 8’00“ vor dem Peloton. Menchov machte sich auf die Verfolgung und holte die fünf Flüchtlinge 12 km vor dem Anstieg ein. Ivanov ließ sich zurückfallen, um Winokurov abzuholen und zur Spitzengruppe heranzuführen. Sobald das erreicht war, hat der Helfer seine Bemühungen sogleich eingestellt. Am Gipfel lag Winokurov 45“ hinter Tschopp, Kirchen und Arroyo und fuhr gemeinsam mit Cobo, Garate und Zubeldia.
‘Wino’ attackiert zu einem zweiten Sieg in drei Tagen
Auf dem letzten Anstieg attackierte Winokurov wiederholt, bis der Widerstand seiner Rivalen gebrochen war und er die letzten 15 km der Etappe alleine an der Spitze bestreiten konnte. Er meisterte den letzten Gipfel mit 30“ Vorsprung auf seine nächsten Rivalen. Er erhöhte seinen Vorsprung nach einmal auf der Abfahrt und sicherte sich seinen 5. Etappensieg bei der Tour de France und seinen 2. in 3 Tagen
Kampf der Kletterer
Die Rabobank-Mannschaft hat das Tempo im Peloton ab der 40 Km-Marke kontrolliert. Obwohl Weening, De Groot und Niermann am Fuße des vorletzten Anstiegs nach und nach zurückfielen, hatte Rasmussen noch die Unterstützung des hervorragend fahrenden Boogerd fast den gesamten Weg hinauf zum Gipfel des Col de Peyresourde. Erst 5 km vor dem Gipfel des letzten Anstiegs war Rasmussen gezwungen, auf einen Angriff zu reagieren. Contador hat mit solcher Heftigkeit eine Attacke gestartet, dass niemand außer Rasmussen mehr folgen konnte. Dieses Paar ist weitergefahren, hat einander weiter attackiert und diese Szene noch mehrfach wiederholt, was sich bis zum Gipfel für sie ausgezahlt hat, da sie gemeinsam einen Vorsprung von über einer Minute auf Evans herausgefahren haben. Hincapie hat auf Contador gewartet und seinen Teamgefährten hinab in die Abfahrt geführt.
Rasmussen wurde von Contador im Sprint um den 10. Platz geschlagen, 5’31" hinter Winokurov, konnte aber seine Führung auf Evans von 3’04" zu Beginn der Etappe auf 4’00" ausbauen. Er wird bei der 16. Etappe das Gelbe Trikot tragen.
Während Alexandre Winokurov die Etappe gewonnen und das Rennen den ganzen Tag über animiert hat, konnte sein Teamgefährte des letzten Jahres, Alberto Contador, einmal mehr demonstrieren, dass er die Entdeckung der Tour de France 2007 ist. Der Spanier führt deutlich beim Weißen Trikot, und auch wenn er zugibt, noch sehr jung zu sein, wird ihm nun doch bewusst, dass er sein geschätztes Trikot immer noch mit dem Gelben Trikot tauschen kann… wenn er nur Michael Rasmussen abhängen könnte…
“Es war ein guter Tag für mich. Die Etappe ist überaus spektakulär verlaufen, und ich wollte mir einen guten Platz sichern. Auch wenn sich noch Dinge vorne abgespielt haben, war das Ende für mich in Ordnung. Ich habe versucht anzugreifen und gehofft, Rasmussen abhängen zu können, aber er beweist nach wie vor, dass er sehr stark ist.
“Jedes Mal, wenn ich angegriffen habe, war er in der Lage, wieder zu mir aufzuschließen, ich muss aber Inspiration aus den letzten beiden Tagen schöpfen, weil wir den Zeitfahrspezialisten Zeit abnehmen konnten, und Rasmussen und ich nun eine deutliche Führung in der Gesamtwertung haben, und eine sehr harte Bergetappe steht noch an. Dies ist meine erste Tour, und es sollte eine Lernerfahrung für mich werden, ich hatte jedoch tolle Unterstützung durch meine Mannschaft. Es ist eine Ehre, für Discovery Channel zu fahren, weil ich immer bewundert habe, wie sie das Rennen kontrolliert haben.
“Mein Held ist Lance Armstrong, wegen der Art und Weise, wie er sieben Mal die Tour gewonnen hat, aber auch wie er den Krebs besiegen konnte. Ich hatte vor ein paar Jahren eine Gehirnoperation, und es gab starke Zweifel daran, wie es mir ergehen würde, aber jetzt bin ich wieder auf dem Rad, und da bin ich am glücklichsten.“
Der seit der 5. Etappe verletzte Winokurov hatte bereits bei seinem Sieg im Zeitfahren von Albi alle beeindruckt. Bei der nächsten Etappe gab es für ihn erneut eine Desillusion mit dem Verlust jedweder Aussicht, die Tour zu gewinnen. In Loudenvielle sollte er sich im Alleingang durchsetzen: dies war sein 5. Sieg bei der Tour de France.
« Gestern hatte ich wirklich einen schlechten Tag, es ging überhaupt nicht im Kopf, und deswegen lag ich am Ende so weit zurück. Als ich gestern Abend im Hotel angekommen bin, ist mir klar geworden, dass ich den Toursieg damit abschreiben konnte. Man hat mich sogar gefragt, ob ich aufgeben wolle, aber ich habe gesagt, dass ich niemals aufgeben werde. Ich habe daraufhin mit meiner Mannschaft gesprochen, und sie haben mich alle unterstützt, damit ich mir ein neues Ziel setze, mit einem Etappensieg.
Seit meinem Sturz habe ich sehr viel Zeit gebraucht, um mich zu erholen, jetzt aber fühle ich mich gut, heute war ein sehr guter Tag. Es lohnt sich nicht, bezüglich der Gesamtwertung irgendwelchen Dingen nachzutrauern, ich sage mir, dass ich einfach kein Glück gehabt habe. So ist das Rennen. »
Es stehen immer noch zwei entscheidende Etappen auf dem Programm der Tour de France 2007, und Michael Rasmussen wiederholt seine Ansicht, dass das Rennen erst in Paris endet. In der Zwischenzeit hat er seinen wichtigsten Rivalen in der Gesamtwertung wieder Zeit abnehmen können. Er hat die 15. Etappe an 11. Stelle beendet und ist zufrieden mit dem, was er am zweiten Tag in den Pyrenäen erreicht hat, weil er seine Führung auf den Zeitfahrspezialisten ausgebaut hat. Alberto Contador bleibt sein größter Konkurrent, und der Däne ist voll des Lobes für den spanischen Kletterer.
“Meine Mannschaft war heute phantastisch, und ich bin ihnen allen viel schuldig, aber ganz besonders Michael Boogerd, der ganz herausragend gefahren ist. Ich kann meinem Team nicht genug danken. Menchov in der Ausreißergruppe zu Beginn dabei zu haben, der daraufhin zurückgekommen ist, um zu helfen, war ein großes Zeichen von Engagement von der gesamten Rabobank-Mannschaft. Das von Boogerd auf den letzten zwei Anstiegen vorgegebene Tempo hat es für alle schwer gemacht, mich anzugreifen, bis dann Alberto Contador das Heft in die Hand genommen hat. Und als er dann losgelegt hat, konnte niemand reagieren, und ich habe sicherlich hart arbeiten müssen, um an seinem Rad zu bleiben.
„Mein großes Ziel war es heute, das Rennen zu kontrollieren und bei Contador zu bleiben, falls er angreifen sollte, da wir gelernt haben, dass er dies wahrscheinlich tun wird.
“Er hat mehrfach angegriffen, und jades Mal ging es sehr, sehr schnell. Er hat eine phantastische Beschleunigung, der ich nicht unmittelbar folgen konnte, aber ich war in der Lage, mich jedes Mal wieder zurückzukämpfen, aber war aber ein bisschen im Vorteil, weil er so schnell war, dass er am Gipfel des Col de Peyresourde ein paar Mal die Motorräder eingeholt hat, wodurch die Dinge für mich sogar noch schwieriger wurden. Letzten Endes ist es mir gelungen, bis zum Gipfel bei ihm zu bleiben, wenn das aber nicht gelungen wäre, hätte ich Schwierigkeiten bekommen, denn Contador hatte den Vorteil, Hincapie zu haben, der am Gipfel zur letzten Abfahrt auf ihn wartete.
“Contador hat die beste Beschleunigung im gesamten Peloton, und ich stand unter Druck, aber ich konnte an ihm dranbleiben, und ich bin froh über diese Bemühungen.
“Die härteste Etappe des gesamten Rennens wartet noch auf uns. Am Mittwoch enden wir am Gipfel des Col d’Aubisque, es ist also noch nichts entschieden.”
1. Winokurov
2. Kirchen, + 51’’
3. Zubeldia, + 51’’
4. Cobo, + 58’’
5. Garate, + 2’14’’
Dies ist der fünfte Etappensieg von Winokurov bei der Tour de France, der zweite bei der Ausgabe 2007
Nur noch ein Kilometer für Winokurov, er hat 50“ Vorsprung auf seine Verfolger…
Der Kasache, der einem erneuten Etappensieg entgegen fährt, ist für den Preis des kämpferischsten Fahrers gewählt worden…
Er verliert keine Zeit auf der Abfahrt, Kirchen Zubeldia und Cobo sind wieder zusammen, 40“ hinter Wino…