
Plateau-de-Beille
197 km
Sonntag 22 Juli
Der Führende in der Wertung der Jungprofis hat die Etappe gewonnen und sich damit nach einem heroischen Kampf auf dem Wege zur ersten großen Bergankunft in den Pyrenäen an die zweite Position in der Gesamtwertung gehievt. Alberto Contador konnte dabei die Präsenz von zwei Teamgefährten in einer gut besetzten Gruppe mit Topleuten nutzen, die den Anstieg zum Plateau de Beille gemeinsam in Angriff genommen hat. Jarsoslav Popowitsch hat das Tempo auf dem ersten Teil des 16 km langen Anstiegs vorgegeben, bevor Levi Leipheimer zeitweilig die Führungsarbeit übernommen und dann Angriffe von den führenden Fahrern in der Gesamtwertung ausgelöst hat. Rasmussen hat alles versucht, um seine Rivalen zu distanzieren, und dies ist ihm auch weitgehend gelungen, indem er Konkurrenten wie Andreas Klöden und Carlos Sastre und zum Ende hin auch Cadel Evans abhängen konnte. Der Träger des Gelben Trikots hat es aber nicht geschafft, Contador zu distanzieren, der ein taktisch kluges Rennen gefahren ist und letztlich die Etappe gewonnen hat, um sich damit auf den zweiten Platz im Gesamtklassement zu schieben, mit 2’23“ Rückstand auf Rasmussen und 31“ Vorsprung auf Evans. Dies war sein erster Sieg bei der Tour, der erste für Discovery Channel in diesem Jahr und der erste für einen Spanier im Tourjahr 2007.
Die 197 km lange 14. Etappe der Tour de France 2007 hat um 11.47 Uhr begonnen. Es sind noch 165 Fahrer zu dieser Etappe angetreten, einziger Ausfall: Ventoso (SDV) hat sich nicht mehr eingeschrieben. Die Strecke von Mazamet zum Plateau de Beille umfasste drei Anstiege: die Côte de St. Sarraille der 2. Kat. (bei Km 9) und zwei Anstiege ‚außer Kategorie’: der 2.001 m hohe Port de Pailhères (bei Km 146,5) und die auf 1.780 m gelegene Bergankunft. Die Zwischensprints waren in Carcassonne (Km 46,5) und Campagne-sur-Aude (Km 91,5) angesiedelt.
Rasmussen in einer 27 Fahrer starken Ausreißergruppe
Verdugo (EUS) hat den ersten erfolgreichen Ausreißversuch beim ersten Anstieg gestartet. Sein Teamgefährte Txurruka sowie Barredo (QSI), De la Fuente (SDV) und Colom (AST) haben zu ihm aufgeschlossen. Die Gruppe wurde beim ersten Gipfel wieder gestellt, an dem Soler (BAR) für seinen 2. Platz 9 Punkte für die Bergwertung eingestrichen hat. Bei Km 13,5 hat das Gelbe Trikot sein Versprechen eingelöst, auf den Pyrenäenetappen anzugreifen, und sich einer Gruppe von 27 Fahrern angeschlossen, die einen Vorsprung von 50“ (bei Km 19) herausgefahren hat.
Die Fahrer in dieser Ausreißergruppe waren: Gutierrez, Arroyo und Portal (GCE), Kirchen (TMO), Voigt (CSC), Rasmussen (RAB), Gadret (A2R), Zubeldia, Azanza, Perez, Txurruka und Verdugo (EUS), Le Mével (C.A), Paulinho und Popowitsch (DSC), Fédrigo und Lefèvre (BTL), Mercado (AGR), Kuschynski (LIQ), Vaugrenard (FDJ), Barredo und Garate (QSI), Colom und Navarro (AST), De La Fuente (SDV), Siutsiu und Soler (BAR). Die Nachführarbeit wurde von Predictor-Lotto geleistet. Die Gruppe des Gelben Trikots wurde bei Km 31,5 gestellt, woraufhin sechs Fahrer die Attacke noch fortgesetzt haben.
Sechs Ausreißer …
Gutierrez, Perez, Txurruka, Kuschynski, Barredo, Colom haben weiter attackiert. Nach der Rückkehr von Rasmussen ins Peloton konnte der Vorsprung dieser Gruppe rasch ausgebaut werden. Bei der 45 Km-Marke führten die sechs Fahrer mit 5’05”, die noch weiter ausgebaut werden konnten: 8’15” bei Km 47,5, 11’20” bei Km 63… dies war der maximale Vorsprung, bis die Rabobank-Mannschaft die Nachführarbeit übernommen hat. Das Stundenmittel lag bei 46,1 km/h für die erste Stunde und 39,3 km/h für die zweite Stunde. Alle Fahrer vom Team Saunier Duval haben das Peloton ab der 90 Km-Marke bis an den Fuß des zweiten Anstiegs geführt. Das Stundenmittel für die dritte Rennstunde lag bei 39,1 km/h. Die Bemühungen der Teamgefährten von Mayo waren nicht umsonst: bei Km 91 lag das Hauptfeld 10’30” zurück, bei Km 121 – 7’35”, und zu Beginn des zweiten Anstiegs betrug der Rückstand nur noch 6’30”.
Port de Pailhères
Der erste Fahrer, der von der Führungsgruppe abgehängt wurde, war Kuschynski. 7 km vor dem Gipfel hat sich Perez von seinen Mitausreißern abgesetzt, wurde aber kurz darauf von Gutierrez, Txurruka und Colom eingeholt. Saunier Duval führte das Peloton auf den ersten 12 km des Anstiegs. Dekker (RAB) führte daraufhin das Peloton bis an den Gipfel. Moreau wurde frühzeitig distanziert, und 6 km vor dem Gipfel wurde auch Winokurov abgehängt. Die Rabobank-Mannschaft übernahm 4,5 km vor dem Gipfel mit Dekker, Boogerd, Menchov und Rasmussen die Führung des Hauptfeldes. Zu diesem Zeitpunkt waren noch 24 Fahrer in der Gruppe um das Gelbe Trikot, einschließlich der Top 10-Fahrer der Gesamtwertung, mit Ausnahme von Winokurov und Astarloza. Mayo verlor den Kontakt auf den letzten 500 m, als Soler einen Angriff auf die Bergpunkte startete. Die vier führenden Fahrer erreichten den Gipfel mit 1’05“ Vorsprung auf Barredo, 2’45“ auf Soler und 2’55“ auf die Gruppe um Rasmussen… Winokurov lag dort schon 8’16“ zurück!
Plateau de Beille
Auf der Abfahrt kam es zu einem erheblichen Zusammenschluss. Hincapie führte die Gruppe um das Gelbe Trikot ins Tal. Die Rabobank-Mannschaft übernahm am Fuße des letzten Anstiegs bei einem Rückstand von 2’35“ auf die Führenden der Etappe die Kontrolle im Peloton. Dekker führte bis zur Basis, dann übernahm Boogerd ein Weile, bevor Popowitsch (DSC) sich an die Spitze setzte und das Tempo 9 km vor der Zielankunft erhöhte. Rasmussen war mittlerweile isoliert ohne die Unterstützung seiner Teamgefährten und gelangte an die Spitze, als Popowitsch sich abfallen ließ. Dies war der Auslöser für eine Reihe von Angriffen. Der erste wurde von Leipheimer gestartet, letztlich hat er aber lediglich Contador nach vorne gebracht. Die Gruppe von Rasmussen, Soler, Evans, Contador, Leipheimer, Kascheschkin und Sastre war zusammen bis zu einer Attacke von Contador, auf die zunächst nur Evans reagierte. Valverde und Klöden wurden schon frühzeitig auf dem Anstieg von der Gruppe der Führenden in der Gesamtwertung abgehängt.
Contador & Rasmussen: 1. & 2.
Bei noch verbleibenden 4,5 km verlor Evans den Kontakt zum Gelben und Weißen Trikot. Der Australier sollte gemeinsam mit Klöden enden und vom 2. auf den 3. Platz in der Gesamtwertung abrutschen. Weiter vorne griffen Contador und Rasmussen einander ein- oder zweimal an, arbeiteten dann aber zusammen, um Zeit auf ihre Rivalen gutzumachen. 3 km vor dem Ziel haben sie Colom ein- und überholt und fuhren von nun an um den Sieg. 2 km vor dem Ziel begannen sie miteinander zu reden. Rasmussen wollte die doppelten Punkte für die Bergwertung einheimsen und sprintete um den Sieg, wurde aber auf den letzten Metern von Contador überholt. Der Spanier erzielte damit eine Reihe von ‚ersten’ Erfolgen: sein erster Etappensieg bei der Tour, der erste Sieg für sein Team bei der Tour 2007 und der erste Sieg für einen Spanier in diesem Jahr. Er rückte dadurch zudem auf den 2. Platz in der Gesamtwertung, mit 2’23“ Rückstand auf Rasmussen, der bei der 15. Etappe das Gelbe Trikot tragen wird.
Das Plateau de Beille war vor der diesjährigen Ausgabe schon drei Mal Zielankunft einer Etappe der Tour de France, und jedesmal wurde der Gewinner dieser Etappe auch der Gesamtsieger. Michael Rasmussen ist es gelungen, allen Rivalen Zeit abzunehmen, bis auf einen: Alberto Contador konnte sogar den Zielsprint vor dem Träger des Gelben Trikots gewinnen. Ist dieser 24jährige Debütant aus Spanien stark genug, um den dänischen Veteran beim Titelkampf herauszufordern? Rasmussen glaubt, dass Contador – und noch fünf oder sechs andere Fahrer – immer noch im Rennen sind, der Rabobank-Fahrer ist aber soweit zufrieden mit seinem Ergebnis nach dem 1. Tag in den Pyrenäen.
“Dies ist wahrscheinlich der schwierigste Anstieg nebst Etappenankunft der gesamten Schleife. Die Tour de France ist schon einige Male zuvor hierher geklettert, und Leute wie Pantani und Armstrong haben hier gewonnen, es wäre also schön gewesen, meinen Namen in diese Liste einzutragen, aber das ist mir nicht gelungen, es war jedoch ein guter Sieg für Alberto. Ich bin dennoch zufrieden mit dem Ergebnis dieses Tages.
“Meine Mannschaft ist heute sehr stark gefahren, das steht fest. Ich habe versucht, sie ein wenig zurückzuhalten, weil wir immer noch mehr als 400 km in den Pyrenäen zu fahren haben, und der Kampf ist noch lange nicht beendet. Ich wollte sie nicht zu hart fahren lassen, aber es war heute schwierig, sie zurückzuhalten.
“Ich bin zu einem Punkt gelangt, an dem mir bewusst wurde: ‘Ok, ich werde die Etappe vielleicht nicht gewinnen, ich werde aber das Feld der Rivalen erheblich ausdünnen können.’ Also habe ich bis hin zur Ziellinie gekämpft, und Contador hatte offensichtlich die bessere Position für den Sprint. Aber es ist noch nicht vorbei, es ist noch eine lange Strecke zurückzulegen, und im Hinblick auf das Zeitfahren am kommenden Samstag glaube ich, dass wir akzeptieren müssen, dass sich noch sehr viel ändern kann. Alle, die um die sechs bis sieben Minuten Rückstand auf mich haben, können zum jetzigen Zeitpunkt noch gewinnen.”
Der Sieger der Etappe am Plateau de Beille, Alberto Contador, übernimmt den zweiten Platz in der Gesamtwertung und bringt sich jetzt als möglicher Sieger der Tour in Stellung.
« Dies ist ein sehr wichtiger Tag gewesen, es bleiben aber noch drei weitere, die genauso wichtig sind, mit den beiden Pyrenäen-Etappen und dem zweiten Einzelzeitfahren. Wenn ich die Tour gewinnen will, muss ich diese drei Tage ohne Probleme überstehen, ich weiß aber sehr wohl, dass man auch einmal einen schlechten Tag haben kann. Ich weiß aber auch, dass dies auch Rasmussen passieren kann.
Derzeit ist Rasmussen der Führende in der Gesamtwertung, und er hat gezeigt, dass er sehr stark ist. Heute ist es mir gelungen, Cadel Evans zu distanzieren. Jetzt muss ich versuchen, Rasmussen anzugreifen, und das werde ich auch tun.
Mit der Mannschaft hatten wir beschlossen, uns heute im Rennen unserer Verantwortlichkeit zu stellen, wie es auch Saunier Duval zu tun versucht hat, allerdings weniger erfolgreich. Deshalb haben wir Hincapie und Popowitsch an die Spitze der Gruppe geschickt, um eine Auswahl herbeizuführen. Danach habe ich den Zeitpunkt für eine Attacke ausgewählt, als meine Beine dazu bereit waren. »
1. Contador
2. Rasmussen, + 0"
3. Soler, + 37’’
4. Leipheimer, + 40’’
5. Sastre, + 53’’
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