
Albi
54 km
Sonnabend 21 Juli
Alexandre Winokurov hat heute demonstriert, wie Stürze seinen Siegeswillen nicht brechen können. Der kasachische Krieger musste nach einem schlimmen Sturz bei der 5. Etappe genäht werden, kehrte aber zu einem entscheidenden Zeitpunkt bei der Tour wieder zur Siegerform zurück. Er hat Cadel Evans beim 54 km-Zeitfahren um 1’14“ geschlagen, aber der Australier konnte ebenfalls einen Erfolg bei diesem ersten Einzelzeitfahren verbuchen, indem er auf eine Minute auf das Gelbe Trikot vorgerückt ist – er hat zudem einen ansonsten möglichen Astana-Hattrick durchbrochen. Sowohl Andreas Klöden als auch Andrey Kascheschkin sind an einem Tag gestürzt, an dem das Wetter eine große Bedeutung für den Endstand gespielt hat. Strömender Regen in der Mitte der Etappe machte die Hoffnungen von vielen Fahrern zunichte, zum Finale schien aber wieder die Sonne. Bradley Wiggins schien die Etappe unter Kontrolle zu haben, dann kam jedoch der Angriff der führenden Fahrer der Gesamtwertung… und der Brite musste sich mit dem 5. Platz zufrieden geben.
Der Ablauf
Das 54 km-Zeitfahren der 13. Etappe begann um 10.24 Uhr, als die ‘rote Laterne’, Wim Vansevenant, das Rennen mit Start- und Zielort Albi in Angriff genommen hat. Die ersten 142 Fahrer gingen in 2-Minuten-Intervallen an den Start, während die letzen 24 mit drei Minuten Abstand auf die Strecke geschickt wurden. Die Bedingungen zu Beginn der Etappe waren mild, wenn auch bewölkt, doch bevor der erste Fahrer die Ziellinie erreichte, waren die Straßen nass und der Regen setzt heftiger ein.
Wiggins setzt einen frühen Standard: Cancellara stürzt aus dem Kampf um die Spitze
Der 19. Fahrer am Start war Wiggins (COF), und er setzt bei allen Zeitnahmen der ersten Phase jeweils die Bestzeit. Als er auf der Strecke war, nieselte es, und die Straßen waren zwar nass, die Bedingungen waren aber in nichts vergleichbar mit denen des weiteren Tagesverlaufs. Cancellara (CSC) konnte einen guten Start hinlegen, aber nicht einmal der Zeitfahrweltmeister konnte es mit Wiggins aufnehmen. Bei der ersten Zwischenzeit lag der Schweizer 29“ hinter dem Briten… bis zur 35,6 Km-Marke waren es 2’06“. Jedwede Hoffnung Cancellaras, seinen Rückstand zu minimieren, wurden zunichte gemacht, als er zum Ende der Etappe hin zu Fall kam und schließlich in 1 St. 15’19“ die Etappe beendete. „Sein Vorderrad ist ihm einfach weggerutscht“ sage CSC-Sportdirektor Kim Anderson.
Millar: “Es ist so gefährlich …”
Der einzige Fahrer, der noch in die Top 5 vorstoßen konnte, war Millar (SDV). Er endete mit einem Rückstand von 1’13“ auf die Zeit von Wiggins. „Es ist so gefährlich“, sagte der Schotte im Zielbereich. „Ich wäre auf den Abfahrten fast gestoppt. Es war absolut tückisch! Mit dem Zeitfahrgerät ist alles viel steifer, der Reifendruck ist höher, und wir sind es nicht gewohnt, auf diesen Rädern oder Rennrädern zu fahren, man weiß also nicht genau, wie weit man gehen kann.” David Millar war der Bestplatzierte der Fahrer, die im starken Regen antreten mussten, er endete an 20. Stelle mit 3’27” Rückstand.
Regen lässt nach, während Winokurov ins Ziel stürmt!
Um 14.40 Uhr hörte es zu regnen auf, aber die Straßen waren immer noch nass, auch wenn es zum Ende des Rennens trocken sein sollte. Winokurov preschte über den Kurs und setzte an jeder Zeitmessung eine neue Bestzeit, um dann mit 1 St. 06’34“.610 zu enden (48,673 km/h). Er hat bewiesen, dass er nach seinem Sturz in der 5. Etappe nicht nur wieder in Form ist, sondern auch die Fähigkeiten der Radbeherrschung und die Unterstützung seines Teams hat, um seinen derzeit 9. Platz in der Gesamtwertung (mit 5’10“ Rückstand) noch verbessern zu können.
Evans war ein anderer Nutznießer dieser Etappe, er absolvierte die erste Zeitmessung an dritter Stelle und konnte nach dem zurückgelegten nassen und technischen Streckenabschnitt das Tempo erhöhen, um bei Km 38,5 und 49 sowie auch auf der Ziellinie an zweiter Stelle zu enden. Er hat dadurch einen Astana-Hattrick verhindert und ist in der Gesamtwertung an die zweite Stelle vorgerückt.
Andere Aspiranten gestürzt
Popowitsch, Kascheschkin und Klöden sind alle auf den ersten 30 km gestürzt, konnten aber auch alle die Etappe unter den Top 6 beenden. Und während sich die Bedingungen für die letzten Starter verbesserten, ist es einigen nicht gelungen, ihre Position in der Gesamtwertung zu halten. Am meisten zu leiden hatten die Spanier Mayo und Valverde, die an zweiter bzw. dritter Stelle gestartet sind, aber nur an 12. bzw. 11. Position enden konnten.
Rasmussen behält Gelbes Trikot
Die Gesamtführung war bedroht, aber Rasmussen konnte die Etappe als Elfter beenden und verlor nur 2’55” auf Winokurov und 1’41” auf Evans. Der Australier ist von der vierten auf die zweite Position im Klassement vorgerückt und sitzt dem Dänen nun mit nur 1’00“ Rückstand im Nacken. Rasmussen wird bei der 14. Etappe das Gelbe Trikot tragen.
Der Fahrer mit dem Spitznamen ‘Hühnchen’ hat sich nicht vor dem Kampf um den Erhalt seiner Gesamtführung bei der Tour de France gescheut. Michael Rasmussen bestätigt, dass das Gelbe Trikot auf seinen Schultern ihm beim Zeitfahren eine besondere Motivation geliefert hat. Sein Manager, Erik Dekker, erläuterte, dass die einzige Information, um die der Fahrer gebeten hat, Zeitvergleiche mit dem Fahrer an zweiter Stelle in der Gesamtwertung zu Etappenbeginn – Alejandro Valverde – waren, und weniger als drei Kilometer vom Ziel entfernt flog das ‚Hühnchen’ am Spanier vorbei und zurück zum Podium, um ein weiteres Gelbes Trikot überzustreifen.
“Ich glaube, ich habe heute alle überrascht, mich selbst eingeschlossen. Das Gelbe Trikot war ganz gewiss eine riesige Motivation, und als ich Alejandro Valverde vor mir sah, hat mich das sogar noch mehr motiviert. Ich glaube, wir haben heute eine Situation gesehen, in der sich Valverde hinter alle anderen bugsiert hat; er war der einzige der Bestplatzierten in der Gesamtwertung, der keine normale Leistung abrufen konnte.
“Das Gelbe Trikot zu haben, bietet vielerlei Vorteile. Als Letzter zu starten, liefert eine riesige Motivation, aber auch die Möglichkeit, seine größten Rivalen im Auge zu behalten. Ich hatte vom Wetter her auch ein bisschen Glück. Viele meiner Wettbewerber hatten weitaus ungünstigere Bedingungen, um die Etappe zu bestreiten, insbesondere bei einer technischen Abfahrt.
“Ich freue mich auf die Pyrenäen und die Rückkehr in mein bevorzugtes Gelände, wo mir das Radfahren besonderen Spaß macht. Eine Minute Vorsprung vor Leuten wie Cadel ist genug, um das Trikot durch die Pyrenäen zu bekommen, aber nicht für das letzte Zeitfahren, so dass ich meine nächsten Gegner angreifen werden muss, wenn ich das Trikot bis nach Paris behalten will… und das will ich ganz gewiss.“
Der kasachische Mannschaftskapitän hat sich mit seinem Etappensieg beim Zeitfahren in Albi wieder ganz vorne zurückgemeldet. Er ist jetzt motiviert, um es in den Pyrenäen mit den Besten aufzunehmen.
« Ich habe alles gegeben, und die Beine waren heute wirklich gut. Auch wenn ich im Finale ein wenig abgebaut habe, bin ich doch sehr zufrieden mit meiner Leistung. Vor ein paar Tagen stand ich kurz davor aufzugeben, aber jedesmal, wenn ich mir die Frage gestellt habe, habe ich mich noch einen weiteren Tag reingehängt. Wenn ich es über die Alpen geschafft habe, dann verdanke ich das den anderen Fahrern, die mich unterstützt haben, und dem Publikum, das hinter mir gestanden hat.
Ich glaube jetzt, sehr gute Beine zu haben, und ich warte mit Ungeduld auf die Pyrenäen. Viele Leute hatten mich schon abgeschrieben, aber ich bin wieder da. »
Die Top 10 bei Zielankunft der 13. Etappe:
1. Alexandre Winokurov (KAZ) AST - 54,0km in 1 St.06’34"
2. Cadel Evans (AUS) PRL + 1’14"
3. Andreas Klöden (GER) AST + 1’39"
4. Andrey Kascheschkin (KAZ) AST + 1’44"
5. Bradley Wiggins (GBR) COF + 2’14"
6. Yaroslav Popovych (UKR) DSC + 2’16"
7. Alberto Contador (ESP) DSC + 2’18"
8. Sylvain Chavanel (FRA) COF + 2’38"
9. Levi Leipheimer (USA) DSC + 2’39"
10. Mikel Astarloza (ESP) EUS + 2’42"
Michael Rasmussen ist bei diesem Zeitfahren nicht eingebrochen. Er beendete die Etappe an 11. Position, 2’55“ hinter Winokurov. Er behält die Führung in der Gesamtwertung mit 1’36“ Vorsprung auf Evans nach 13 Etappen.
Valverde ist bei der 13. Etappe zusammengebrochen. Er ist 2,5 km vor der Ziellinie von Rasmussen eingeholt worden. Die Sonne scheint wieder, und der Kampf der ehemaligen Mountainbike-Fahrer wird morgen mit Rasmussen und Evans bei den Pyrenäenetappen beginnen…
Rasmussen muss 2’41“ Vorsprung auf Evans behalten, um im Gelben Trikot zu bleiben. In der aktuellen Phase liegt er 2’53“ hinter Winokurov, während Evans 1’17“ an derselben Stelle zurücklag. Es scheint, als ob der dänische Fahrer seine Führung in der Gesamtwertung behalten wird, auch wenn er außerhalb der Top 10 der 13. Etappe enden wird…
Drei Astana-Fahrer liegen bei der 13. Etappe auf den ersten vier Positionen. Wir warten immer noch auf die Ankunft von Mayo, Valverde und Rasmussen, keiner von ihnen aber wird die Zeit von Winokurov erreichen können. Es geht jetzt nur noch um das Gelbe Trikot… wird Rasmussen innerhalb von 2’41“ hinter Cadel Evans enden?