Tagebuch der Etappe

etappe 1 - Londres Canterbury 203 km
Sonntag 8 Juli

Die Etappe im Rückblick

Die 203,0 km lange erste Etappe der 94. Tour de France – von London nach Canterbury – hat um 11.00 Uhr begonnen, nachdem das Peloton eine 6,8 km lange neutrale Zone absolviert und dabei einige der großen Wahrzeichen der britischen Hauptstadt absolviert hat. Es gab ein offizielles Protokoll auf der Tower Bridge, und das Peloton ist gestoppt, während die französische und die britische Nationalhymne abgespielt wurden. Das Rennen umfasste drei Anstiege der vierten Kategorie: den ersten in Southborough, einen 2,3 km langen Anstieg mit dem Gipfel bei Km 94,5km; den zweiten bei Goudhurst, einen 1,6 km langen Anstieg bei Km 121,0; und dann den Anstieg bei Farthing Common, der 1,1 km lang war und bei Km 183,0 km gipfelte. Es waren zudem drei Zwischensprints vorgesehen: der erste in Gillingham bei Km 46,5, der nächste in in Teston bei Km 76,0 und der letzte in Tenterden bei Km 140,5.

Millar: der erste erfolgreiche Ausreißer
Der erste Angriff der 94. Tour wurde von Feillu (AGRE) und Augé (COF) gleich bei Km 1 gestartet. Der erste erfolgreiche Ausreißversuch gelang Millar (SDV), der bei Km 3,5 loslegte. Bei Km 17 führte er vor vier Verfolgern – Grivko (MRM), Kuschynski (LIQ), Bichot (AGR) und Augé – mit 45”, während das Peloton 1’25” zurücklag. Nach 33 km lag Millars Vorsprung vor dem Hauptfeld bei 4’40”. Bei Km 45 lagen die vier 1’40” zurück, das Peloton war bei 5’25”. Die Punkte beim ersten Zwischensprint wurden wie folgt verteilt: 1. Millar 6 Pkte; 2. Grivko 4 Pkte; 3. Kuschynski 2 Pkte. Die Verfolger lagen bei Km 46,5 1’00” zurück. Das Stundenmittel für die erste Stunde lag bei 47,1km/h. Millar wurde bei der 48 km-Marke von den vier Verfolgern eingeholt, das Peloton lag da 5’35” zurück.

CSC führt Verfolgung an
Das Team des Gelben Trikots kontrollierte die Verfolgung der fünf Ausreißer durch das Hauptfeld. Die Punkte für den 2. Zwischensprint wurden vom selben Trio wie beim ersten gewonnen - Millar, Grivko, Kuschynski. Ihre Fünfergruppe hatte nun 5’05” Vorsprung auf das Hauptfeld bei Km 76. Derweil kam es im Hauptfeld zu einem Sturz, bei dem Gonzalo Ramirez (AGR) zu Fall kam und das Rennen aufgeben musste. Das Stundenmittel für die 2. Stunde lag bei 40,1km/h. Die Punkte für die erste Bergwertung gingen an: Millar, Grivko, Kuschynski. Das Peloton hatte einen Rückstand von 4’40”.

Einsammeln der Ausreißer
Bei verbleibenden 92 km erreichte der Vorsprung der fünf Führenden 6’00“. Dies sollte das Maximum bleiben. Beim zweiten Anstieg griff Bichot an und führte die Ausreißer über den Gipfel, wodurch er 3 Pkte vor Augé und Kuschynski einheimsen konnte. Das Peloton lag dort 5’50“ zurück. 80 km vor dem Ziel lag das Hauptfeld 5’00“ zurück; bei 70 km noch 3’50“… CSC wurde nunmehr von Vasseur (QSI), Charteau (C.A) sowie Vansevenant und van Summeren (PRL) unterstützt, die sich an der Spitze ablösten. Lancaster, Zandio, Moreni und Mercado wurden 55 km vor dem Ziel in einen Sturz verwickelt.
50 km vor dem Ziel ließen sich Millar und Grivko abfallen und warteten auf das Peloton. Bei 30 km lag das Führungstrio noch 1’05” vorne. Augé startete bei 27 km einen Angriff, und Bichot und Kuschynski kehrten ins Hauptfeld zurück. 25 km vor dem Ziel führte Augé mit 35”.

Sturz & technische Probleme für Sprintfavoriten
Bei verbleibenden 23 km wurde McEwen in einen Sturz verwickelt. Cavendish hatte Probleme mit seinem Rad und musste auf den letzten 25 km zweimal das Rad wechseln. Augé erklomm als Erster den 3. Anstieg und wurde 18 km vor der Ziellinie abgefangen, woraufhin das Quick Step-Team die Kontrolle übernahm. Millar wurde noch Zweiter beim Anstieg von Farthing Common und sicherte sich damit die Führung in der Bergwertung für die zweite Etappe.
McEwen schloss auf den letzten 10 km zum Hauptfeld, wurde aber auf den letzten 200 m erst wieder an der Spitze des Pelotons gesehen. Er sprintete auf den letzten 80 m an die Spitze und konnte den Etappensieg erobern, wobei er noch drei Meter Vorsprung auf seinen nächsten Rivalen hatte. Der Australier hat nun mit Erik Zabel (MRM) bei der Zahl der meisten Etappensiege für noch aktive Fahrer gleichgezogen.
Fabian Cancellara endete an 22. Stelle und wird bei der zweiten Etappe erneut das Gelbe Trikot tragen.

 

Interviews

„Ich hatte 2003 schon einmal ähnliches Pech, als ein anderer Fahrer punktgleich mit mir war und ich das Trikot verpasst habe wegen einer Regel über die Position im Gesamtklassement. Es scheint, dass dieses Gepunktete Trikot mir einmal mehr entwischt ist. Ich weiss, dass ich diese Wertungsführung erreichen, aber im Hochgebirge nicht behalten kann. Dennoch habe ich meine Chancen beim ersten Anstieg ergriffen, aber der Sprint zum Gipfel war zu schnell für mich. Ich war beim erfolgreichen Ausreißversuch heute dabei, es ist aber nicht wie geplant gelaufen. Zumindest habe ich beweisen können, dass ich nicht nur hier bin, um die Zahlen vollzumachen.“

Stéphane Augé – „Ich habe meine Chancen ergriffen…“

Stéphane Augé gehörte der Gruppe an, die auf den ersten 10 km aus dem Hauptfeld ausgerissen ist. Er hat mit seinem Angriff bis Farthing Common noch einmal nachgelegt und für seine Klassierung in der Bergwertung weitere drei Punkte erkämpft. Er beendete den Tag punktgleich mit David Millar, verpasste aber das Bergtrikot wegen seiner schwächeren Position im Gesamtklassement… dennoch bekam er den Preis des angriffslustigsten Fahrers dieser Etappe.

„Ich habe alles gegeben, um für die letzten 200 Meter an der richtigen Position zu sein, und es scheint, dass wir genug dafür getan haben. Darüber bin ich sehr froh. Ich habe Kraft aus Frustration, Wut und dem Gedanken geschöpft, nichts mehr zu verlieren zu haben.
“Dieser Sieg ist ganz oben unter den anderen Siegen einzureihen, aber es ist schwer, da eine Rangfolge vornehmen zu wollen; sie wurden alle unter unterschiedlichen Umständen errungen. Doch dieser ist ganz gewiss einer der ganz Besonderen.
“Wenn Sie nur am Fernseher sehen konnten, wieviel Arbeit Jungs wie Wim Vansevenant und Johan van Summeren auf sich genommen haben, um mich nach dem Sturz zum Peloton zurückzuführen! Es hat sehr lange gedauert, weil das Rennen zum Zeitpunkt meines Sturzes richtig mit Vollgas losgegangen ist. Ich glaube nicht, dass es ein Zufall war, dass sie etwas schneller gefahren sind, als sie mich los waren, aber… na ja, es ist einfach unglaublich, wieviel Arbeit mein Team geleistet hat, um mich zurückzubringen. Dies ist die perfekte Art und Weise, Ihnen für Ihre Mühen zu danken.
“Ich will noch nicht an den morgigen Tag denken. Ich werde mir jetzt einmal meine Verletzungen anschauen und natürlich diesen Sieg feiern.”

Robbie McEwen - "Kraft aus Frustration & Wut"

Er ist bei Km 23 gestürzt und musste sich ans Peloton zurückkämpfen, das bei der Anfahrt nach Canterbury den Turbo eingelegt hatte. Aber Robbie McEwen fand doch noch die Energie, um sich an die Spitze eines Feldes zu kämpfen, das schnell unterwegs war. Auf den letzten Metern eroberte der Australier die Führung und sicherte sich seinen 12. Etappensieg bei der Tour de France. Damit schließt er zu Erik Zabel bei den meisten Etappensiegen für einen noch aktiven Fahrer auf.

“Es war phantastisch, ein schöner Tag. Es war unglaublich, wie viele Leute zum Rennen gekommen sind. Es standen Tausende und Abertausende Menschen an den Straßen; es war wie ein Tunnel voller Jubel. Der Start dieser Tour de France ist sehr schön gewesen. Ich hoffe, dass wir bei der Rückkehr auf den Kontinent weiterhin die Unterstützung bekommen werden, die wir an diesen beiden Tagen in Großbritannien erfahren haben.
„Es hat für mich keine wirklichen Probleme gegeben. Meine Mannschaft hat gute Arbeit geleistet, und ich danke allen Teamgefährten für die Arbeit, die sie geleistet haben, damit ich mein Gelbes Trikot behalten konnte. Für mich ist es jetzt wichtig, mich so schnell wie möglich zu erholen. Ich habe das Trikot immer noch… und morgen werden wir wieder unser Bestes geben.“

Fabian Cancellara – „Ein Tunnel voller Jubel…“

Bei fünf Fahrern, die vom Start an einen Angriff gestartet hatten, waren die Fahrer des CSC-Teams bereit, ein wenig Zeitvorsprung zu gewähren. Sie hielten ein beständiges Tempo und die Ausreißer in einer sicheren Distanz. Er hätte sich vielleicht nicht in den Sprint gestürzt, aber Fabian Cancellara stellte doch sicher, in der Führungsgruppe zu enden, um die Führung im Gesamtklassement zu verteidigen.

“Es war ein leichter Tag, auf den letzten 30 km entstand ein wenig Stress, aber nicht zu viel davon. Bei den Klassikern hat man es auch mit so großen Feldern wie hier zu tun. Auf den engen Straßen wird es dadurch ein bisschen interessanter, um Positionen zu kämpfen. Aber ich glaube, ich habe das ganz gut geschafft.
“Ich hoffe, dass ich das Trikot weiter behalten kann. Es wird schwer werden, aber ich hoffe, dass ich die Berge gut überstehen werde und so lange wie möglich in Weiß bleiben kann.”

Vladimir Gusev – in Weiß bleiben

Vladimir Gusev hat drei Tage vor seinem Tour-Debüt seinen 25. Geburtstag gefeiert. Er war Fünfter beim Prolog und somit der beste Jungprofi. Er hofft, dass er noch für ein paar weitere Tage an der Führung im Jungfahrerklassement festhalten kann…

„Ich bin einfach zu einer meiner üblichen Missionen aufgebrochen, und es war viel einfacher mit der Unterstützung all der mir zujubelnden Leute. Ich wollte auf diese Weise allen ‚Danke’ sagen, und es ist daraus ein ganz toller Tag geworden.
„Ich wollte sicherstellen, dass der Vorsprung auf das Hauptfeld groß genug wurde, und deswegen habe ich nicht auf die Gruppe der vier Verfolger gewartet, bis nach dem ersten Zwischensprint. Ich habe das Tempo nicht gedrosselt, bevor ich sicher war, dass das Peloton weit genug zurück ist. Die vier anderen waren mir völlig schnuppe, bis ich wusste, dass alle anderen weit zurück lagen… und dann habe ich gewartet.
“Ich habe mich aus der Ausreißergruppe zurückfallen lassen, weil ich zu müde war, um mit allen vier Fahrern in der Fluchtgruppe am letzten Anstieg zurechtzukommen, ich wollte aber doch die Führung in der Bergwertung übernehmen. Es war ein taktischer Zug; als ich wieder im Hauptfeld war, habe ich meine Teamgefährten die Führungsarbeit übernehmen lassen und dann selbst noch einmal losgelegt. Ich habe nicht darauf gezählt, dass Augé es nicht schafft, und dann noch einmal alles daran gesetzt, die Punkte fûr den zweiten Platz in Farthing Common einzuheimsen.“

David Millar – „Ich wollte ‚Danke’ sagen“

Als die üblichen Angriffe auf den anfänglichen Kilometern der ersten Streckenetappe gestartet wurden, schloss sich David Millar den üblichen französischen Kandidaten an. Der Schotte gelangte ganz nach vorne. Auch wenn er die Möglichkeit hatte, auf ein Quartett von Gegenangreifern zu warten, entschied er sich für einen Alleingang, um einen soliden Vorsprung aufzubauen. Letztlich fand er auch noch die Energie, um die zu vergebenden Punkte beim dritten und letzten Anstieg zu kämpfen… und sicherte sich somit einen Auftritt auf dem Podium, um sich dort das Gepunktete Trikot des besten Kletterers abzuholen.

 

Agenturmeldungen

16:44 - Die Top 5 im Ziel

1. McEwen
2. Hushovd
3. Boonen
4. Seb. Chavanel
5. Feillu

16:43 - Sieg für McEwen

Nach einem ersten Angriff von Hunter bei 400 m tauchte McEwen 100 m vor dem Ziel auf; der 35jährige ließ alle anderen hinter sich…

16:41 - McEwen gewinnt!

Trotz Rückstand kurz vor der Endphase gewinnt Robbie McEwen die Etappe!

16:40 - Unter der roten Fahne

Auch ohne Petacchi arbeitet Milram mit… für Zabel. Boonen ist auch dabei mit Bennati…

16:39 - 2 km bis zum Ziel

Boonen wird von drei Teamgefährten geschützt…