Reiseführer

etappe 8 - Le Grand Bornand 165 km
Sonntag 15 Juli

Wissenswertes

  • Thônes. Wie in Le Grand-Bornand oder in Saint-Jean-de-Sixt empfiehlt sich ein Zwischenstopp für kulinarische Einkäufe: Hier wird der reblochon (halbfester Schnittkäse)produziert.
  • Albertville. Im Maison des Jeux Olympiques hat man Gelegenheit, die Höhepunkte der Winterolympiade 1992 Revue passierten zu lassen: die avantgardistische Eröffnungszeremonie, die Goldmedaille von Edgar Grospiron…
 

Le Grand-Bornand - km 0

Der mit dem Beinamen Perle des Aravis-Massivs“ versehene, junge Kurort in der Nähe des Glières-Plateaus, besetzt mehrere Hochebenen, die sich zwischen zwei Tälern am Fuße der Aravis-Bergkette erstrecken. Die beiden wichtigsten sind das eher ländlich geprägte Grand-Bornand und Chinaillon (Höhe: 1.300 Meter) mit einer eher sportlichen Ausrichtung. Das Skigebiet (400 ha) bietet eine gute Mischung aus Abfahrts- und Langlaufski und ist an La Clusaz angeschlossen. Der Fremdenverkehr entstand in Le Grand-Bornand am Ende des letzten Jahrhunderts. Dieser Kurort hat ein betont Energie geladenes Flair. Seine sportliche Ausrichtung kam in den 20er Jahren zum Tragen. Der Skiverein La société des skieurs bornandins“ wurde 1923 gegründet, und die Hoteltätigkeit entwickelte sich ab 1931.

Über die Ursprünge von Le Grand-Bornand gibt es keine klaren Erkenntnisse, und die Spuren verlieren sich in grauer Vorzeit. Nach Meinung der Historiker entspricht das Borne-Tal der Region Savoyens, in der die Ansiedlung der menschlichen Spezies (Neandertaler) am ältesten ist: etwa 35.000 Jahre. Die jüngste Entdeckung behauener Feuersteinwerkzeuge festigt die Annahme einer punktuellen Anwesenheit des Menschen vor 8.500 Jahren auf dem Gebiet der Kommune.

Leider hat die Kleinstadt Savoyens immer wieder durch Naturkatastrophen in der Presse von sich reden gemacht: Die letzte forderte im Zuge eines Erdrutsches am 14. Juli 1987 231 Opfer. In dieser Hinsicht verstärken die undurchlässigen Böden Überschwemmungs- und Erdrutschrisiken. Zu einer ersten Überschwemmung war es 1698 gekommen. Ferner haben sich in der Geschichte von Le Grand-Bornand 1817, 1994 und 1996 drei leichte Erdbeben zugetragen. Am 14. Dezember 1994 lag das Epizentrum einer schwachen Erderschütterung auf dem Plateau des Glières. Dieser angenehme Ferienort, dem Schutz und Aufwertung alter Wohnungsbauten sehr am Herzen liegen, offenbart in vielen Bereichen eine intelligente Dynamik, wobei sich die Dorfgemeinschaft um die Wahrung der Harmonie der drei Hauptaktivitäten bemüht: Landwirtschaft, Handwerk und Fremdenverkehr.

Le Grand-Bornand ist eine Hochburg für Biathlon und Ski nordisch. Das 1962 gegründete Zentrum für Langlauf macht den Ort zum führenden Ort Obersavoyens in dieser Disziplin.

Im Februar 2006 glänzen bei den Olympischen Winterspielen in Turin zwei Lokalmatadoren aus Le Grand Bornand: Roddy Darragon, Silbermedaillengewinner im Skilanglauf und Sylvie Becaert, Silbermedaillengewinnerin im Biathlon.

 

Thônes - km 8

5.212 Einwohner

Thônes liegt an der Schnittstelle zwischen Fier- und Nom-Tal. Die lokale Wirtschaft dreht sich um Käse, hauptsächlich um den reblochon fermier (halbfester Schnittkäse), aber auch den Ziegenkäse chevrotin, Holz und seine Unterprodukte sowie Dienstleistungen, von denen 5.000 Einwohner leben.

In Thônes befindet sich der Gesellschaftssitz von Unternehmen wie Fournier und Mobalpa. Unter den Bauwerken und Relikten der Vergangenheit kann man die Barockkirche von 1867 mit der neugotischen Fassade von 1884 bewundern.

Der Hauptort besitzt ein Departement-Museum der Résistance im Weiler Morette und eine Umweltmuseum für Holz in einer Sägerei aus dem Jahr 1900.

Der reblochon, der Käsekönig

Der reblochon, eine der 47 Käsesorten Frankreichs mit geschützter Herkunft von etwa 400, ist der Vorzeigekäse aus Le Grand Bornand, Thônes und Saint-Jean-de-Sixt. Dort wird zugleich der reblochon fermier (erkennbar an der grünlichen Farbe im Innern) und der laitier fruitier, (mit einer rötlichen Färbung) produziert.

Der seit 1958 herkunftsgeschützte reblochon ist ein weichteigiger Käse mit gelb-orangefarbener Rinde und einem Durchmesser von13 bis 14 cm.

Sein Nussaroma schätzen Verbraucher auf der ganzen Welt - 2002 wurden 17.404 Tonnen gekauft, davon 21% reblochon fermier.

Erzeugt wird der reblochon durch eine Verarbeitung der Milch unmittelbar nach dem Melken. Die unpasteurisierte, besonders fettreiche Milch wird verarbeitet. Es folgt das Schneiden, das Formgießen, Salzen und der Reifungsprozess. Anschließend wird der Käse eine Woche lang getrocknet und jeden Tag gewendet, woraufhin die Rinde mehrmals gewaschen wird.

 

Faverges - km 36

Nach dem Col du Marais und der Côte du Bouchet Mont-Charvin sind wir wieder im Flachland angelangt. Faverges, zwischen dem See von Annecy, Doussard und Ugine, ist eine frühgeschichtliche und römische Ortschaft, in der man 1971 genau 2392 Teile aus den drei ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung entdeckt hat.

Früher gab es Thermalanlagen und eine Schmiede.

In der sportlichen Region um Faverges gibt es einen Radsportamateurverein. Dessen Mitglieder erklimmen gerne den Col de Tamié, den die Tour de France 2007 von der leichtesten Seite aus anfahren wird und der unterhalb der dent de cons liegt, über deren Ursprünge nichts bekannt ist.

 

Departement Savoyen (73)

Das 305 Kommunen umfassende Savoyen wurde 1860 von Frankreich annektiert. Es besteht aus vier Gebirgsmassiven: Bauges, Chartreuse, Beaufortin und Vanoise. Der Hauptort Chambéry war einst die Hauptstadt der Grafschaft Savoyen. Die Historiker haben mehrere mögliche Erklärungen für die Namensherkunft von Chambéry. Der Legende zufolge tötete ein gewisser Berius, ein Weggefährte von König Artus, auf seinem Weg nach Italien eine riesige Katze, die Reisende verschlang. Der Ort erhielt den Namen Berg der Katze, und thront heute über dem See von Le Bourget, unter dem Zahn der Katze. Das Flachland in der Nähe der Katze bekam den Namen Feld von Bérius, campus beri“ und daher Chambéry.

Der in Aix les Bains befindliche See von Le Bourget ist der größte (18 Km lang und 1,6 bis 3,5 Km breit) und tiefste Frankreichs (145 m).

Aus Savoyen, dem olympischen Departement 1992 mit Albertville sind zahlreiche Minister zu unterschiedlichen Epochen der Republik hervorgegangen: Antoine Perrier, Justizminister 1911; Henri Falcoz, Minister für öffentliche Arbeiten 1930; Pierre Cot, Minister für Luftfragen der Volksfront unter Léon Blum; Ambroize Croizat, Arbeit und soziale Sicherheit; Louis Besson, Wohnungswesen und Infrastruktur; Michel Barnier, Auswärtiges Amt; Hervé Gaymard, Wirtschafts- und Finanzminister.

 

Albertville - km 60

18 000 Einwohner

Diese alte Stadt im hinteren Teil des Savoyschen Erosions-Tales, am Anfang der Täler von Arly, Beaufortin und Tarentaise wurde 1845 auf Initiative des Königs von Sardinien, Karl-Albert, gegründet und vereint zwei Marktgemeinden: Conflans und l’Hôpital. Franz I. ließ 1536 die Mauern und das Schloss zerstören, ehe Lesdiguières (Konnetabel von Frankreich, Anführer der Hugenotten der historischen Provinz Dauphiné in Südostfrankreich) im Jahr 1600 den Rest dem Erdboden gleichmachte. Die befestigte Stadt Conflans, die einst den Zugangsweg zum Tarentaise-Tal verteidigte, hat das Bild einer mittelalterlichen Ortschaft beibehalten. Im Laufe der Zeit hat sich Albertville dank des Handels entwickelt und ist zu einer Verwaltungsstadt aufgestiegen. Am Anfang des Jahrhunderts brachte der Dammbau für das Wasserkraftwerk die für die Ansiedlung der Schwerindustrie notwendige Energie, wodurch viele lokale Arbeitsplätze entstanden. Zahlreiche Einwohner Savoyens übernahmen alsbald die Doppeltätigkeit von Landwirtschaft/Industrie. Mit Beginn der 1960er Jahre erfuhr der Wintersport einen Aufschwung im Tal: Verbesserung des Straßennetzes, Arbeitsplätze in den Skigebieten, Öffnung der Bevölkerung für den Fremdenverkehr im Sommer/Winter. Auf diese Weise organisierten Albertville und seine Region dank der tatkräftigen Unterstützung der gesamten Bevölkerung Savoyens mit großem Erfolg die Olympischen Winterspiele 1992.

Heute beobachtet man in der Region die Ansiedlung neuer gewerblicher Aktivitäten, und die Baustellen der Autobahn la Maurienne Richtung Turin eröffnen interessante Perspektiven. Andererseits setzt sich der Ausbau von Winter und vor allem Sommertourismus fort, wobei Albertville als Ausgangspunkt für die Erkundung der olympischen Stätten und des Savoyschen Kulturerbes dient.

Der Kommunikationsknotenpunkt Albertville hat die Fahrer der Tour de France viele Male auf seinem Gebiet willkommen geheißen. Nur einmal haben sie allerdings Rast eingelegt, 1998, als Jan Ullrich einen seiner drei Siege des Jahres einfuhr.

 

Beaufort - km 77

2.000 Einwohner

Dieser für seinen Käse bekannte kleine Ort hieß früher Saint-Maxime (vom Namen des Bischofs, der es im 5. Jahrhundert missionierte) und liegt im Zentrum der Region Beaufortain, die 1860 französisch wurde.

 

Cormet de Roselend - km 99,5

Mit einer Höhe von 1.968 Metern verbindet dieser Pass die Täler Arly und Isère und schafft damit eine Verbindung zwischen Albertville und Bourg-Saint-Maurice. Die riesengroße Talsperre von Roselend, die jährlich das Kraftwerk von La Bathie mit 370 Millionen Kubikmeter Wasser versorgt, hat bedauerlicherweise das schönste Skigebiet von Beaufort (einst von Alfred Couttet und Emile Allais ausgewählt) überschwemmt.

 

Bourg-Saint-Maurice - km 118

7.000 Einwohner

Das im Herzen der Haute Tarentaise liegende Bourg-Saint-Maurice thront über den Tälern Isère und Chapieux, beherrscht die Zufahrt zum Petit Saint-Bernard und bildet den Ausgangspunkt der aufsteigenden Route zum Wintersportort Les Arcs. Durch ihre strategische Lage am Schnittpunkt von invasionsträchtigen Tälern und Pässen (Cormet de Roselend, Petit Saint Bernard, Col de l’Iseran) verfügte diese Kleinstadt seit jeher über Schutz- und Verteidigungsmöglichkeiten. Fürdie Römer hatte diese Rolle die so genannte Tour Carrée du Chatelard inne, ein Beobachtungsposten mit Blick auf das Isère-Hochtal, und im 14. Jahrhundert hatten die Festungen von Vulmix, Le Truc und La Plate diese Funktion. Das erklärt zweifelsohne die einstige Bezeichnung bûrg“, die das Dorf beibehielt, bis dass die Überführung der Reliquien des Märtyrers von Agaune in die Pfarrkirche erfolgte, was letzterer den Namenszug Saint Maurice einbrachte. Im Laufe seiner langen Geschichte ereilte Bourg-Saint-Maurice so manche Katastrophe: Invasionen, Kriege, regelmäßige Überschwemmungen. Im Jahr 1635 wurde der Ort endgültig bis zur Kirchturmspitze begraben. Die Einwohner bauten ihn daraufhin an seinem jetzigen Standort wieder auf.

Im Mittelalter wurde aus der Stadt ein wichtiges kaufmännisches Zentrum für das ganze, seinerzeit vom Berg umschlossene Tal der Haute-Isère. Dieser touristische Ort in der Nähe des Nationalparks La Vanoise verzückt die Naturfreunde: zahlreiche Panoramaausblicke, Orientierungstafel von Croix-Bonhomme, Wälder, Seen, Gletscher. Der Ort konnte sein uriges Erscheinungsbild sowie seinen authentischen Charakter bewahren und er ist der Schauplatz mehrerer typischer Veranstaltungen, wie das Edelweißfest im Juli und eine Folkloreauftritt, bei dem man die wunderbaren Trachten der Tarentaise und des Aosta-Tals bewundern kann.

Im Sommer stehen hier Kanu und Kajak hoch im Kurs (hochrangige Wettbewerbe, darunter die Weltmeisterschaft).

 

Sainte-Foy Tarentaise - km 145

Sainte-Foy Tarentaise stammt aus dem 13. Jahrhundert und stand unter der Lehnsherrschaft von Val d’Isère. Es ist sicherlich auf den Einfluss der Spanier zurückzuführen, dass der Ort eine Kapelle mit einem aus Korduanleder gefertigten Altarbild und Altar aus besitzt.

 

Tignes - km 163

2.220 Einwohner

Bevor Tignes zum Ski- und Wintersport-Mekka wurde, war es ein kleines Hochgebirgsdorf im hinteren Teil eines natürlichen Kessels in toller Sonnenlage, bis 1952 der Staumauerbau in die Quere kam. Das bereits 1933 beschlossene Projekt wurde der Bevölkerung erst 1941 angekündigt.

Vor dem Beginn der Arbeiten 1946 mussten sämtliche Bewohner, die Tignards, vertrieben und der Friedhof verschoben werden.

Die Sprengung der Häuser wurde mit Waffengewalt durch CRS-Kommandos durchgeführt. Letztere hatten den Befehl, die Widersacher des Staudammbaus zu vertreiben.

Sämtliche Presseorgane verfolgten diese Mammutoperation und entsandten ihren Spitzenreporter.

Ungewollt avancierte Tignes zu einem der bekanntesten Dörfer weltweit…

Im Jahr 1956 schuf man den Wintersportort Tignes und installierte die ersten Liftanlagen, ehe 1968 der Ausbau des Claret-Tals mit Höhenbauten erfolgte.

Als Olympia-Standort der Winterspiele von Albertville 1992 war Tignes der Austragungsort der Skiakrobatik-Wettkämpfe im Lognan-Stadion. Heute befindet sich das Skigebiet unter der Kontrolle der STGM (société des téléfériques de la Grande Motte, nach dem gleichnamigen Gletscher und nicht nach dem Badeort aus dem Languedoc).

Der Lokalmatador ist Nicolas Huet, Doppelweltmeister im Snowboard (1999, 2001). Auch Guerlain Chicherit, vierfacher Weltmeister im Extremskifahren und Rallye-Pilot in Diensten des BMW-Teams (9. Platz bei der Dakar-Rallye 2006) zählt zu den Sport-Botschaftern von Tignes.