
Le Grand Bornand
197.5 km
Sonnabend 14 Juli
Bourg-en-Bresse wurde 1250 Freistadt. Das Schicksal der Stadt ist eng mit dem des Hauses Savoyen verbunden. Im 15. Jahrhundert machte sie der Herzog von Savoyen zur Hauptstadt von Bresse.
Im Jahre 1535 wurde Bourg vom Herzog Philibert Emmanuel eingenommen, der es zur Befestigung ausbaute. Die Stadt wurde 1601 zusammen mit Bresse abgetreten.
Während der Revolution nahm sie den wohlklingenden Namen Epi d’Or an.
Unter den zahlreichen schönen Bauwerken und Denkmälern besticht den Besucher die Kathedrale Notre-Dame (1505-1695) mit gotischen Teilen und Räumen, die bis 1530 zurückreichen, Renaissancefassaden, einem Portal von 1545 und Glasmalereien aus fünf Jahrhunderten (16. bis 20. Jh.).
Den Bau der Kirche und königlichen Klosters von Brou veranlasste die Witwe Philipp II. von Savoyen, der Schöne genannt; die Arbeiten dauerten 31 Jahre. Der Besucher kann hier die Mausoleen von Marguerite de Bourbon und Philipp dem Schönen bewundern.
Mitte des 20. Jahrhunderts wurde Bourg-en-Bresse dank des hiesigen Werks von Berliet, dem Lyoner Lkw-Hersteller, zum wichtigen Standort im Departement Ain. Heute sorgt Renault Trucks für den Fortbestand der Lkw-Produktion in der Stadt, während mehrere multinationale Unternehmen wie Mittal Steel und Nexans hier Niederlassungen eröffnet haben.
Das Institut Saint-Louis Saint-Pierre weist die Besonderheit auf, das es seinen Schülern in kleinen Gruppen bis zum Abitur Intensivunterricht in der englischen Sprache anbietet. Die Schüler können hier ein europäisches Abitur ablegen und sogar die Abschlüsse der angesehenen Schule von Cambridge vorbereiten.
Das Gymnasium von Lalande ist nach dem Astronomen Joseph-Jérôme Lefrançois de Lalande benannt, der am 11. Juli 1732 in Bourg-en-Bresse geboren wurde und vor 200 Jahren starb. Lalande, der nach Paris zog, um Recht zu studieren, begann dort, sich für die Astronomie zu interessieren. Nach Berlin entsandt, wurde er an der Akademie der Wissenschaften aufgenommen. Neben anderen Arbeiten beobachtete er die Gestirne und führte eine Studie über die Mondparallaxe aus und erstellte eine korrigierte Fassung einer Studie von Halley über seinen’ Kometen. Seit 1802 wird ein nach ihm benannter Astronomiepreis verliehen.
Das Lycée Lalande ist die einzige schulische Einrichtung Frankreichs, der neben dem Militärgymnasium von Autun die Medaille der Résistance verliehen wurde. Am 5. Juni 1944, einen Tag vor Landung der Alliierten, kam die Miliz am Tag der Abiturprüfung in das Gymnasium, um mit Waffengewalt etwa zwanzig junge Männer zu verhören, die verdächtigt wurden, einen Angriff auf das Schatzamt verübt und vor allem geheime Flugblätter verfasst und gedruckt zu haben. Die zukünftigen Abiturienten wurden in das Gefängnis von Coligny gebracht. Glücklicherweise ließ die Miliz, die vielleicht ihr nahes Ende kommen sah, die meisten Schüler am 6. Juni 1944 wieder frei. Seit der Befreiung trägt das Lycée Lalande eine Plakette und das Kreuz von Lothringen als Zeichen für die Verleihung der Medaille der Résistance.
Bourg-en-Bresse ist Heimat vieler berühmter Menschen: Jean de Gaulle, Neffe des Generals; Edgar Quinet, Historiker; Georges Blanc, im Guide Michelin mit drei Sternen ausgezeichneter Restaurator; Laurent Gerra, der Chansonnier.
In der Sportstadt Bourg-en-Bresse gibt es zahlreiche Sportvereine und -einrichtungen. Der Verein Bourg Basket spielt in der Profiliga Pro A, während der Rugbyverein, der vor dreißig Jahren ganz oben war, heute in der Amateurliga dümpelt. Die Violetten hoffen noch immer auf den Aufstieg in die Profiliga Pro D2.
Der Fußballverein F.C Bourg Péronas hat in den letzten Jahren durch die Qualifikation für das Achtel- und Viertelfinale des französischen UEFA-Cups von sich reden gemacht.
Folgende Sportler haben Bourg-en-Bresse Ehre gemacht:
Culoz wurde wahrscheinlich in der Römerzeit gegründet, wovon ein drei Kilometer vom Hauptort entferntes Oppidum inmitten der Bergwelt zeugt.
Die Stadt Ain, bekannt aufgrund ihres wichtigen Rangierbahnhofes an der Grenze zu Obersavoyen und zum Ain, erhielt ihre erste Schienenverbindung 1857.
Ausgehend vom Hafen von Landaize in Culoz übernahmen die Römer die Rolle der Griechen in der Rhône-Schifffahrt, die unter dem Einfall der Barbaren litt.
Im Dorf Anglefort findet man römische Grabstätten und drei Sarkophage. Hier werden Schwertlilien und mit der Roussette du Bugey eine gute Rebsorte angebaut.
Bemerkenswert ist auch das schöne Waschhaus, an dem das durstige Fahrerfeld einst eine Pause einlegte.
Bis 1860 war das Departement Obersavoyen ein unabhängiger Staat unter der Führung des Hauses von Savoyen. Die Lehnsherren übten ihre Macht durch die Kontrolle über die Routen und Pässe zur Alpenquerung aus.
Das Departement, das Hiôte Savoué oder Savoué d’amont en artipan hieß, oder geläufiger (und noch heute) Hiote, lag in der Eiszeit unter dem Meer eines immensen Golfes. Mehrere Erdbeben wurden 1839 und im August 1936 mit Stärke 7, im Mai 1975 mit Stärke 4,5 und am 15. Juli 1996 mit Stärke 5,3 registriert.
Das geografische Obersavoyen entstand 1860 durch den Turiner Vertrag im Zuge der Volksbefragung zum Anschluss an Savoyen und setzt sich aus mehreren überaus bekannten Massiven zusammen: Mont Blanc, Aravis, Chablais, Bornes, Bauges, Albanais, das Genfer Vorland Obersavoyens.
Die Hauptverkehrachsen folgen dem Arve-Tal, das Genf mit dem Tunnel des Mont Blanc verbindet, das Tal von Cluses in Annecy verknüpft Ugine und Albertville in Savoyen, bis man vom Hauptort aus das Gebiet der Maurienne und der Provinz Tarentaise erreicht.
Obersavoyen zählt 640.000 Einwohner, die Hauts-Savoyards, 4 Bezirke, 34 Kantone und 294 Kommunen.
Zahlreiche Schriftsteller haben Obersavoyen immer wieder besucht oder dort gelebt, darunter Eugène Sue, Anna de Noailles, Alphonse de Lamartine.
Viele Spitzensportler stammen aus Obersavoyen, vor allem Skifahrer: die Goitschel-Schwestern, Jean Vuarnet, Vincent Vittoz, Henri Duvillard, Edgar Grospiron, Antoine Deneriaz, Guy Perillat, die Kletterer Louis Lachenal, Sandrine Levet, der Boxer Roger Menetrey.
Seyssel, ein antiker Posten einer Römerstraße auf der Peutingerschen Tafel und im Itinerarium Antonini (Verzeichnis der wichtigsten römischen Reichsstraßen), liegt genau 44,4 km von Genf und 31,1 km von Yenne entfernt. Die alte Brücke stammt aus dem Jahr 1838, und die Talsperre regelt den Rhônedurchlauf flussabwärts von Genissiat. Die gallisch-römische Ortschaft, in dem ein Kreuz die Prägung der Initialen MH“ trägt, verfügt über ein im Juli und August geöffnetes Holzmuseum.
Wahrscheinlich wurde der dem Arve-Tal vorgelagerte Ort zur Hälfte des 5. Jahrhunderts gegründet. Die Burgunder wählten diese Stelle zweifellos, weil sie mit dem Col d’Evires im Rücken leicht zu verteidigen war und ein ideales Panorama des Arve-Tals bot.
Als ehemalige Hauptstadt der Grafschaft von Genf erhielt La Roche sur Foron als erste europäische Kleinstadt den Anschluss ans Stromnetz 1885 und im gleichen Jahr die Eisenbahnlinie dank der Studie über die Trasse Annecy-La Roche aus der Feder von Sadi Carnot, Polytechniker und zukünftiger Präsident der Republik (ermordet).
La Roche sur Foron ist die Geburtsstadt von M. Desbiolles, der 1892 im Weiler Montizel zur Welt kam. Er erfand das Schraubglied, das Gleitschirmflieger und Höhlenforscher besonders verwenden. Sein angemeldetes Patent übernahm die S.A Peguet in Annemasse.
M. Desbiolles verstarb 1991 in La Roche im Alter von 99 Jahren.
Als zweite Stadt Obersavoyens nach La Roche-sur-Foron wurde Scionzier 1885 elektrifiziert. Im gleichen Jahr erfolgte auch die Einführung des Telefons.
Seit vielen Jahren zählt Scionzier zu den Hochburgen des Abdrehens (décolletage), einer Zuliefertätigkeit für die Uhrenindustrie, deren Präzisionstechnik Expertenhände und Know-how erfordert. Das hat dem regionalen Handwerk zu seiner Stärke verholfen.
Bekannt ist die Stadt auch aufgrund ihrer Fußballmannschaft, die es 1937 und 1938 bei der Französischen Meisterschaft bis ins Finale schaffte. Ferner ist es die Heimat des Nationalspielers Stéphane Paille.
Die Kommune liegt in einem malerischen Erosionstal am Fuße der Aravis-Bergkette. Ein spanischer Mönch gründete hier im 12. Jahrhundert eine Kartause, in der sich seit 1932 der Sitz eines Karmeliter-Klosters befindet. In diesem Dorf spielt auch der Roman La Chartreuse du Reposoir“ aus der Feder von Henry Bordeaux. Nördlich von Le Reposoir wählte das Umweltministerium vor einigen Jahren das Bargy-Massiv für die Wiederansiedlung des Bartgeiers aus, eines vom Ausstreben bedrohten Knochenbrecher-Geiers.
Die kleine Familienferienort Le Reposoir ist Ausgangspunkt von Pfaden in Richtung der Pointe percée (2752 m). Der höchste Gipfel des Aravis-Gebirges liegt zwischen diesem Massiv und dem von Bornes.
Le Reposoir gehört zu den wenigen Gemeinden Frankreichs, die bei der Präsidentschaftswahl 1974 für Giscard d’Estaing stimmten, und zwar mit 80% der Stimmen.
Als Dank an die Wähler und aufgrund der Lokalbekanntschaften von Anne-Aymone hat der Präsident das Dorf im Juni 1978 bei einem Weihfest persönlich besucht und einige Takte auf einem Akkordeon gespielt das ihm ein Bürger freundlicherweise geliehen hatte.
Der mit dem Beinamen Perle des Aravis-Massivs“ versehene, junge Kurort in der Nähe des Glières-Plateaus, besetzt mehrere Hochebenen, die sich zwischen zwei Tälern am Fuße der Aravis-Bergkette erstrecken. Die beiden wichtigsten sind das eher ländlich geprägte Grand-Bornand und Chinaillon (Höhe: 1.300 Meter) mit einer eher sportlichen Ausrichtung. Das Skigebiet (400 ha) bietet eine gute Mischung aus Abfahrts- und Langlaufski und ist an La Clusaz angeschlossen. Der Fremdenverkehr entstand in Le Grand-Bornand am Ende des letzten Jahrhunderts. Dieser Kurort hat ein betont Energie geladenes Flair. Seine sportliche Ausrichtung kam in den 20er Jahren zum Tragen. Der Skiverein La société des skieurs bornandins“ wurde 1923 gegründet, und die Hoteltätigkeit entwickelte sich ab 1931.
Über die Ursprünge von Le Grand-Bornand gibt es keine klaren Erkenntnisse, und die Spuren verlieren sich in grauer Vorzeit. Nach Meinung der Historiker entspricht das Borne-Tal der Region Savoyens, in der die Ansiedlung der menschlichen Spezies (Neandertaler) am ältesten ist: etwa 35.000 Jahre. Die jüngste Entdeckung behauener Feuersteinwerkzeuge festigt die Annahme einer punktuellen Anwesenheit des Menschen vor 8.500 Jahren auf dem Gebiet der Kommune.
Leider hat die Kleinstadt Savoyens immer wieder durch Naturkatastrophen in der Presse von sich reden gemacht: Die letzte forderte im Zuge eines Erdrutsches am 14. Juli 1987 231 Opfer. In dieser Hinsicht verstärken die undurchlässigen Böden Überschwemmungs- und Erdrutschrisiken. Zu einer ersten Überschwemmung war es 1698 gekommen. Ferner haben sich in der Geschichte von Le Grand-Bornand 1817, 1994 und 1996 drei leichte Erdbeben zugetragen. Am 14. Dezember 1994 lag das Epizentrum einer schwachen Erderschütterung auf dem Plateau des Glières. Dieser angenehme Ferienort, dem Schutz und Aufwertung alter Wohnungsbauten sehr am Herzen liegen, offenbart in vielen Bereichen eine intelligente Dynamik, wobei sich die Dorfgemeinschaft um die Wahrung der Harmonie der drei Hauptaktivitäten bemüht: Landwirtschaft, Handwerk und Fremdenverkehr.
Le Grand-Bornand ist eine Hochburg für Biathlon und Ski nordisch. Das 1962 gegründete Zentrum für Langlauf macht den Ort zum führenden Ort Obersavoyens in dieser Disziplin.
Im Februar 2006 glänzen bei den Olympischen Winterspielen in Turin zwei Lokalmatadoren aus Le Grand Bornand: Roddy Darragon, Silbermedaillengewinner im Skilanglauf und Sylvie Becaert, Silbermedaillengewinnerin im Biathlon.