Reiseführer

etappe 6 - Bourg-en-Bresse 199.5 km
Freitag 13 Juli

Wissenswertes

  • Semur-en-Auxois. Eine einladende Devise wurde in Mittelfranzösisch auf eine Tür dieser malerischen mittelalterlichen Stadt gepinselt: Die Bürger von Semur freuen sich, die Bekanntschaft Fremder zu machen.“
  • Cormatin. Möglicher Zwischenstopp in einem Fahrradmuseum, das 170 Räder ausstellt.
  • Bourg-en-Bresse. Die Kathedrale Notre-Dame im gotischen Stil.
 

Departement la Côte d’Or (21)

Das einzige Departement Frankreichs, das nicht streng nach geografischen Kriterien benannt wurde. Den Namen schlug ein Anwalt am Parlament der Herzöge von Burgund vor, der 1790 Abgeordneter war. Inspiriert wurde er von der goldenen Farbe der Weinberge in der Region Beaunes im Herbst.

Die Nachbardepartments von Côte d’Or sind Nièvre, Jura, Aube und Haute Marne. Es ist das einzige Department, durch das Nebenflüsse der Seine, Rhône und Loire fließen.

Das Departement, das 2001 die Nummer 50 von 100 erhielt, umfasst vier Teile: Morvan, das Plateau von Langres, Auxois und Chatillonais. Höchster Punkt ist der Mont de Gien (723 m). Für die 513.000 Einwohner gibt es keine Bezeichnung: nur selten werden sie Côte d’Orianer“ oder Costalorianer“ genannt.

Côte d’Or, Hochburg des gelben Trikots

Kaum vorstellbar, dass Côte d’Or (goldener Hang“) und das Trikot gleicher Farbe nicht in enger Beziehung zueinander stehen. Seit 1906 und dem Sieg von Pottier in Dijon am Ende einer 416 km langen Etappe mit Start in Nancy (!) war die Hauptstadt Burgunds oft Schauplatz großer Momente der Tour de France.

ehr als ein halbes Jahrhundert nach Pottier bestätigte Charly Gaul 1958 seine Überlegenheit durch einen Sieg im Zeitfahren von Besançon nach Dijon (74 km), indem er Nencini, den Toursieger von 1960, hinter sich ließ. Am 17. Juli 1959 leistete Roger Rivière Außergewöhnliches, als er sich im Zeitfahren gegen Jacques Anquetil durchsetzte, während Fédérico Bahamontès, der in dem Jahr zu seinem einzigen Sieg bei der Tour fahren sollte, auf dieser Etappe 8 Minuten verlor.

Am Tag vor der Etappe nach Dijon schied Jean Robic, Sieger der ersten Tour nach dem Krieg 1947, von der Allgemeinheit weitgehend unbeachtet aus, nachdem er dem Feld über 150 km einsam hinterher gefahren war. Es war der letzte Auftritt von Biquet“ bei der Tour de France.

1977 setzte sich Bernard Thévenet bei einem Zeitfahren gegen Dietrich Thurau und Kuiper mit 28’’Vorsprung durch. Der Burgunder sollte in diesem Jahr seinen zweiten Toursieg mit 48’’ Abstand vor Kuiper auf der letzten Etappe nach Paris holen.

Das Publikum in Dijon wurde 1997 Zeuge, als der Holländer Bart Voskamp den Deutschen Jens Heppner mit 18 Minuten Vorsprung auf das Hauptfeld in einem spannenden Endspurt schlug und dann beide wegen Unregelmäßigkeiten beim Sprint zugunsten des Etappen-Dritten, des Italieners Traversoni, deklassiert wurden. Dies hielt einen anderen Deutschen aber nicht davon ab, seinen einzigen Toursieg einzufahren, und zwar im zarten Alter von 23 Jahren: Jan Ullrich!

 

Semur-en-Auxois - km 0

4.500 Einwohner

Der Legende nach soll Herkules die Stadt nach seiner Rückkehr aus Spanien gebaut haben. Erstmals urkundlich erwähnt wird Semur 606 als Sene muro“, was übersetzt altes Gemäuer“ bedeutet.

Herzog Robert II. von Burgund unterzeichnete 1276 zwar einen Freibrief, einen wirklichen Aufschwung aber erlebte Semur erst Mitte des 14. Jahrhunderts und im Hundertjährigen Krieg.

Die letzten Belagerungen fanden 1589 und 1602 statt. Nach dem Beschluss Heinrich IV., die Befestigungsanlagen zu schleifen, wurde Semur-en-Auxois Hauptstadt der Vogtei Auxois.

Dichter, Ihre Papiere, bitte!

Seit seiner Einführung ist der Printemps des Poètes“ in Semur-en-Auxois eine feste Größe im Veranstaltungskalender der Stadt. Beim Dichterfrühling“ sind alle Bürger von Semur aufgefordert, mitzumachen. Während dieser Tage werden Gedichte ausgetauscht, gelesen, rezitiert und öffentlich ausgehangen.

Thema des Dichterfrühlings 2007 war das Liebesgedicht mit Texten von Baudelaire, Verlaine, Brassens, Brel, René Depestre und Taha Bekir. Es wurden Texte in den Eingangshallen von Gebäuden und im Rathaus ausgehangen und Eigenkreationen der Mitbürger von den dichtenden Einsatzkommandos’ gefördert, deren Parole wie in Leo Ferrés Lied Poète, vos papiers“ wohl Ihre Papiere, Dichter“ hätte lauten können.

Blühende Industrie

  • Hohner Musique. Unternehmen, das sich auf Musikinstrumente spezialisiert hat. Die Geschichte des Unternehmens beginnt 1833 im deutschen Trossingen, wo ein einfacher Handwerker namens Messner in dem Wunsch, die Volksfeste seines Dorfs zu bereichern, ein kleines Instrument erfand, das berühmt werden sollte: die Harmonika. Mathias Hohner übernahm die Idee und versuchte 1857 sein Glück in Nord- und Südamerika. Dreißig Jahre später hatten die Amerikaner 500.000 Instrumente in Deutschland geordert! Wer hätte gedacht, dass dieses einfache, aus dem Holz des Jura gebaute Produkt eines Tags die Glanzzeiten des Blues erleben würde? Nach 1982 entwickelte Hohner Electronique in Semur-en-Auxois Heimorgeln, konzentrierte aber schon vor dem Markteinbruch aufgrund der Konkurrenz der Synthesizer seine Aktivitäten auf die Klavier- und Flügelmarke Kawai.
  • Die Keksbäckerei Mistral. Sie ist seit 1974 in Semur-en-Auxois ansässig.
  • Die Handschuhe von Procoves. Es handelt sich um Arbeithandschuhe. Seit 1972 hat das Unternehmen Millionen Paare Lederhandschuhe gefertigt und seit 1994 auch den Markt für Strickhandschuhe erobert. Die Firma wurde von Wells Larmont, dem weltweit größten Hersteller von Schutzhandschuhen, übernommen.
 

Givry - km 96

Die befestigte Stadt wurde 1360 von der Söldnertruppe Tard-Venus“ (wörtlich: die Späten) verwüstet. Das Weingebiet von Givry war der Favorit von Heinrich IV.

 

Sercy - km 119

Das Schloss aus dem 12. Jahrhundert, das im 15. Jahrhundert umgebaut wurde, ist ein Beispiel für Militärarchitektur mit seinem Turm, den ein Holzturm krönt. Es ist einer der letzten drei dieser Bauart in Frankreich. Bergfried mit sehenswertem Pecherker.

 

Cormatin - km 127

Cormatin ist der Geburtsort des Schriftstellers Jacques Lacretelle (1888-1985), Sohn eines Konsuls in Alexandria, Enkel des Dichters, Freund von Lamartine.

Das Fahrradmuseum von Cormatin lohnt einen Umweg. Hier sind 170 Räder ausgestellt, von der Draisine von 1818 bis zum Rennrad von Panel, einem Fahrer aus St. Etienne, der 1919 die Tour de France auf einem der ersten Räder mit Gangschaltung fuhr die das Reglement von Henri Desgrange bis 1937 verbot. Zu den Exponaten des Museums gehört auch ein vollständig aus Eisen gefertigtes Klapprad, das bei der Landung der Alliierten in der Normandie zur Ausrüstung der britischen und amerikanischen Fallschirmspringer gehörte.

 

Cruzille - km 142,5

Das Schloss aus dem 13. Jahrhundert diente den Widerstandskämpfern während der Besatzung als Basislager. In der Umgebung sind wunderschöne Alleen mit jahrhundertealten Linden erhalten. Die Straße von Cruzille nach Lugny folgt einem alten Pilgerweg.

Eine Legende erzählt, dass der Graf von Tavanes (1509-1592) mit seinem Pferd auf die andere Seite der an das Schloss grenzenden Anhöhe sprang, um vor den Hugenotten zu fliehen. Diese Wundertat gelang ihm, so sagt man, nachdem er die Heilige Geneviève anrief. Eine andere Version der Legende besagt, dass das Pferd des Grafen auf der Wildscheinjagd durchging. Das Reittier, das vor dem Sprung über einen Graben scheute, bäumte sich so sehr auf, dass man heute noch die Spuren der Hufeisen sehen kann, die sich in den Felsen eingegraben haben.

 

Region Rhône-Alpes

Die Verwaltungsregion Rhône-Alpes landet nicht nur flächenmäßig auf dem zweiten Platz, sondern ist auch nach der Ile-de-France die zweitbevölkerungsreichste und wirtschaftlich zweitstärkste Region Frankreichs.

Sie reicht vom Beaujolais im Norden über das Lyonnais bis zur Dauphiné im Süden. Sie umfasst acht Departements - Ain, Ardèche, Drôme, Isère, Loire, Rhône, Savoie und Haute-Savoie - und zwei Akademien in Lyon und Grenoble.

 

Departement Ain (01)

Das Departement, das 515.270 Einwohner hat, die in 419 Gemeinden in vier Arrondissements leben, wurde am 4. März 1790 aus vier Provinzen gegründet: Bresse, Dombes, Bugey und dem Pays de Gex sowie einem winzigen Teil des Franc Lyonnais.

Nach altem Brauch wurden Bresse, Bugey und das Pays de Gex bis zu ihrer Abtretung an Frankreich durch den Herzog von Savoyen im Jahr 1601 von Burgund verwaltet.

Es gibt keinen Namen für die Bewohner dieses Departements; meistens benennt man sie nach der Provinz, aus der sie stammen: die Buger, Domber, Bresser oder Gesser.

 

Attignat - km 188

Attignat hieß zunächst Attigna, nach Attignaz, bevor man sich am 9. März 1790 für den endgültigen Namen entschied. Die Geschichte lehrt uns, dass Heinrich IV. 1601 durch dieses Dörfchen kam, nachdem sich seine Kutsche festgefahren und er die Nacht zuvor im Nachbarort Jayat verbringen musste.

In jüngerer Geschichte beschloss der Gemeinderat im Februar 1804 die öffentliche Ordnung in und am Ausgang der Kirche durch einen mit Pike bewaffneten Feldhüter sicherzustellen. Der Gemeindeerlass bestimmt, dass jeder, der sich den Anweisungen des Hüters widersetzt, mit drei Tagen Gemeindearbeit bestraft wird“. Somit entstand das Konzept der gemeinnützigen Arbeit genau 180 Jahre vor Einführung der Sozialstunden im Strafvollzug, die der Justizminister Robert Badinter 1985 veranlasste.

 

Bourg-en-Bresse - km 133,5

Bourg-en-Bresse wurde 1250 Freistadt. Das Schicksal der Stadt ist eng mit dem des Hauses Savoyen verbunden. Im 15. Jahrhundert machte sie der Herzog von Savoyen zur Hauptstadt von Bresse.

Im Jahre 1535 wurde Bourg vom Herzog Philibert Emmanuel eingenommen, der es zur Befestigung ausbaute. Die Stadt wurde 1601 zusammen mit Bresse abgetreten.

Während der Revolution nahm sie den wohlklingenden Namen Epi d’Or an.

Unter den zahlreichen schönen Bauwerken und Denkmälern besticht den Besucher die Kathedrale Notre-Dame (1505-1695) mit gotischen Teilen und Räumen, die bis 1530 zurückreichen, Renaissancefassaden, einem Portal von 1545 und Glasmalereien aus fünf Jahrhunderten (16. bis 20. Jh.).

Den Bau der Kirche und königlichen Klosters von Brou veranlasste die Witwe Philipp II. von Savoyen, der Schöne genannt; die Arbeiten dauerten 31 Jahre. Der Besucher kann hier die Mausoleen von Marguerite de Bourbon und Philipp dem Schönen bewundern.

Mitte des 20. Jahrhunderts wurde Bourg-en-Bresse dank des hiesigen Werks von Berliet, dem Lyoner Lkw-Hersteller, zum wichtigen Standort im Departement Ain. Heute sorgt Renault Trucks für den Fortbestand der Lkw-Produktion in der Stadt, während mehrere multinationale Unternehmen wie Mittal Steel und Nexans hier Niederlassungen eröffnet haben.

Cambridge in Bresse!

Das Institut Saint-Louis Saint-Pierre weist die Besonderheit auf, das es seinen Schülern in kleinen Gruppen bis zum Abitur Intensivunterricht in der englischen Sprache anbietet. Die Schüler können hier ein europäisches Abitur ablegen und sogar die Abschlüsse der angesehenen Schule von Cambridge vorbereiten.

Das Lycée Lalande, Träger der Médaille de la Résistance“

Das Gymnasium von Lalande ist nach dem Astronomen Joseph-Jérôme Lefrançois de Lalande benannt, der am 11. Juli 1732 in Bourg-en-Bresse geboren wurde und vor 200 Jahren starb. Lalande, der nach Paris zog, um Recht zu studieren, begann dort, sich für die Astronomie zu interessieren. Nach Berlin entsandt, wurde er an der Akademie der Wissenschaften aufgenommen. Neben anderen Arbeiten beobachtete er die Gestirne und führte eine Studie über die Mondparallaxe aus und erstellte eine korrigierte Fassung einer Studie von Halley über seinen’ Kometen. Seit 1802 wird ein nach ihm benannter Astronomiepreis verliehen.

Das Lycée Lalande ist die einzige schulische Einrichtung Frankreichs, der neben dem Militärgymnasium von Autun die Medaille der Résistance verliehen wurde. Am 5. Juni 1944, einen Tag vor Landung der Alliierten, kam die Miliz am Tag der Abiturprüfung in das Gymnasium, um mit Waffengewalt etwa zwanzig junge Männer zu verhören, die verdächtigt wurden, einen Angriff auf das Schatzamt verübt und vor allem geheime Flugblätter verfasst und gedruckt zu haben. Die zukünftigen Abiturienten wurden in das Gefängnis von Coligny gebracht. Glücklicherweise ließ die Miliz, die vielleicht ihr nahes Ende kommen sah, die meisten Schüler am 6. Juni 1944 wieder frei. Seit der Befreiung trägt das Lycée Lalande eine Plakette und das Kreuz von Lothringen als Zeichen für die Verleihung der Medaille der Résistance.

Söhne und Töchter der Stadt Bourg

Bourg-en-Bresse ist Heimat vieler berühmter Menschen: Jean de Gaulle, Neffe des Generals; Edgar Quinet, Historiker; Georges Blanc, im Guide Michelin mit drei Sternen ausgezeichneter Restaurator; Laurent Gerra, der Chansonnier.

Stadt des Sports

In der Sportstadt Bourg-en-Bresse gibt es zahlreiche Sportvereine und -einrichtungen. Der Verein Bourg Basket spielt in der Profiliga Pro A, während der Rugbyverein, der vor dreißig Jahren ganz oben war, heute in der Amateurliga dümpelt. Die Violetten hoffen noch immer auf den Aufstieg in die Profiliga Pro D2.

Der Fußballverein F.C Bourg Péronas hat in den letzten Jahren durch die Qualifikation für das Achtel- und Viertelfinale des französischen UEFA-Cups von sich reden gemacht.

Folgende Sportler haben Bourg-en-Bresse Ehre gemacht:

  • Gilles Bouvard und Paul Filliat, Radrennfahrer
  • Julien Benneteau (Tennis)
  • Lionel Nallet, der bei U.S Bressanne in der zweiten Reihe sein Handwerk gelernt hat und nach einer Zwischenstation beim Rugbyverein CSBJ Bourgoin-Jallieu heute in Castres spielt
  • François Clerc (Fußball)
  • Jérôme Monnet, Jean-Luc Tissot, Basketball, Antoine Diot, große Hoffnung im Basketball
  • Der Eiskunstläufer Alain Giletti war zehnmal französischer Meister und verbucht fünf europäische Titel und eine Weltmeisterschaft für sich