Reiseführer

etappe 18 - 211 km
Freitag 27 Juli

Wissenswertes

  • Cahors. Eine Brücke, ein Aquädukt in Vers, Villen, Tempel, ein Theater mit 20.000 Plätzen zeugen von der römischen Vergangenheit der Stadt.
  • Cenac und Saint-Julien. Hier steht eine der schönsten Platanen des Landes, mit einer Höhe von 45 m und einem Durchmesser von 7,60m!
  • Saint-Laurent-sur-Manoire. Das Roland Dumas-Museum zeigt den Besuchern die während seiner Amtszeit vom gleichnamigen ehemaligen französischen Außenminister im Namen der Republik erhaltenen Geschenke.
  • Angoulême. Außerhalb der Comic-Festspiele lohnt sich auf jeden Fall ein Besuch des Comic-Museums.
 

Departement Lot (46)

Das Département Lot liegt in der ehemaligen Provinz Quercy. Vor der französischen Revolution erstreckte es sich bis Montauban. Heute grenzt es an die Départements Corrèze, Cantal, Aveyron, Tarn-et-Garonne, Lot-et-Garonne und die Dordogne.

Es zählt 167 456 Einwohner, aufgeteilt in 3 Bezirke mit Cahors als Hauptstadt sowie Figeac und Gourdon, 31 Kantone, 27 intercommunalités (Gemeindezusammenschlüsse) und 340 Gemeinden.

 

Cahors - km 0

20.300 Einwohner

Quercy, so lehren uns die Historiker, war bereits vor ungefähr 400 000 Jahren bewohnt, wie es die Grotten des Cele-Tals und von Pech Merle in Cabrerets bezeugen. Zur Zeit der ersten Jakobspilgerer war Cahors eine bedeutende Etappe auf der Via Podiensis. Es entstanden mehrere Hospitäler, von denen das erste an der heutigen Place Galdeman angesiedelt war. Die Stadt Cahors, auf der Verbindungsroute zwischen Toulouse (115 Km südöstlich gelegen) und Paris, wurde im Jahre 51 gegründet und war eine der letzten Bastionen vor Caesar.

Eine Brücke, ein Aquädukt in Vers, Villen, Tempel, ein Theater mit 20.000 Plätzen zeugen von einer weit zurückliegenden Vergangenheit als die Stadt Wollstoffe nach Rom exportierte. Im Jahre 571 wurde die Stadt von Theodorus, König von Austrien, in Brand gesteckt und durch den Bischof Saint-Didier wieder aufgebaut. Letzerer ließ im Jahre 650 die erste Kathedrale errichten ; geplündert von den Sarazenern im Jahre 732 war die Stadt ebenfalls Opfer von Wikingern und Ungarn.

Cahors, auch bekannt als die Stadt von Léon Gambetta, schöpft noch immer aus den Wohltaten seiner « göttlichen » Quelle, der uralten Divona Cadurcorum, die ihren Ursprung in den Quellwassern von Chartreux findet und die Stadt noch heute mit Trinkwasser versorgt.

Wenn das Wasser göttliche Tugenden besitzt, so könnte der Rugbyclub von Cahors allmächtige göttliche Hilfe gut gebrauchen um erneut den Aufstieg in die erste Liga zu schaffen. Zur Zeit ist der Club nur drittklassig. Das Stadium in Cahors wurde im Jahre 1908 von einem Apother gegründet, der, Berichten zufolge, auf diese Art und Weise die Rugby Abteilung ins Leben gerufen hat. Das erste Meisterschaftsspiel wurde hier im Jahre 1912 ausgetragen. Im Laufe der Jahre hat man sich dann bis in die oberste Liga vorgearbeitet und auch lange Zeit dort gespielt.

Im Stadium steht die Alfred Rocques Säule, auch liebevoll der « Großvater Quercys » genannt. Letzterer erblickte das Licht der Welt in der Nähe von Cahors und verstarb im Jahre 2004. Als herausragender Nationalspieler prägte er gemeinsam mit Jean de Grégorio und Amédée Domenech in den sechziger Jahren die Oberliga.

Etwas jünger ist der im Jahre 1962 geborene Nationalspieler Denis Charvet. Anlässlich des Finalspiels 1985 hat er drei Versuche gemacht und im Jahre 1989 gelang ihm nach einem 80 m Sprint ein Versuch ! Tief beeindruckt, setzte sich der damalige französische Präsident François Mitterand dafür ein, dass Nationaltrainer Albert Ferrasse ihn für ein Turnier in Neuseeland aufstellt, was er auch tat !

In Cahors wurden ebenfalls Spieler wie Mommejat, Fite, Auradou, Sylvain François, Benazzi , Benetton und Quentin Delkatourbe geformt.

 

Lavercantière - km 24

183 Einwohner

Lavercantière wurde vom Grafen Alphonse de Poitiers, welcher die Ländereien den Anwohnern übertrug, gegründet. Das Schloss aus dem XVII. und XVIII. Jahrhundert gehört seit 1991 zu den historischen Denkmälern.

Das Monument an die Toten des großen Krieges des Bildhauers Emile Mompart ist ein beeindruckendes Meisterwerk. Es stellt eine Frau dar, mit gesenktem Haupt, zur Andacht gefalteten Händen und auf beiden Seiten des Denkmals ein Soldat. Ein pazifistisches Werk, welches im Dialekt den Vermerk « pauvres drôles » trägt, was so viel bedeutet wie « Arme Kinder ».

 

Cenac und Saint-Julien - km 47,5

1.068 Einwohner

Cenac und Saint-Julien, entstanden aus dem Zusammenschluss von Cenac und St. Julien de Castelnaud, ist stolz auf seine im Jahre 1750 gepflanzte Platane. Der Stamm hat einen Durchmesser von 7,60 m in 1,30 m Höhe und ragt 45 Meter in den Himmel, bei einer Spannweite von 33 Metern !

Zu den Berühmtheiten des Ortes gehören Albert Cahuet aus dem Dörfchen Fondonnier, der zur Sommerfrische kam. Anwalt und Journalist, geboren 1877 in Bribe und gestorben 1942 in Lyon, ist er bekannt als Romanautor von u.a. Pontcarral, welcher mit Pierre Blanchard und der Komödiantin Annie Ducaux in den Hauptrollen unter dem Titel « Pontcarral colonel d’Empire » (Oberst des Kaisers) verfilmt wurde.

 

Beynac und Cazenac - km 56

516 Einwohner

Beynac et Cazenac hat die Burg aus dem 12. Jahrhundert in der bereits Richard Löwenherz verweilte nicht erhalten können. Das Gebäude, welches im Jahre 1196 von dem beherzten und unerschrockenen Simon de Montfort zerstört wurde hat im Laufe der Jahre vollkommen weichen müssen.

 

La Douze - km 100

902 Einwohner

La Douze, das Tor zum schwarzen Périgord, entstand im Paläolithikum und Neolithikum. Das Schloss ist Eigentum derer von Abzac, die die Ortsnamenkunde einführten und dank derer man heute weiß, dass Douze aus dem Okzitanischen « doza» und dem Keltischen « dotz » stammt und sich auf die vorhandenen heißen Quellen bezieht.

 

Saint-Laurent-sur-Manoire - km 112

765 Einwohner

In Saint-Laurent-sur-Manoire steht das Museum Roland Dumas des gleichnamigen ehemaligen französischen Außenministers, Anwalt und Abgeordneten zur Zeit der UDSR (Union démocratique et socialiste de la Résistance) seines Freundes François Mitterrand.

Das Museum zeigt die zahlreichen Geschenke und Kunstgegenstände die dem Minister auf seinen Reisen von Staatschefs und Diplomaten weltweit zuteil wurden.

 

Boulazac - km 117,5

6.050 Einwohner

Boulazac ist den Briefmarkensammlern bestens bekannt, denn hier ist seit 1970 die staatliche Brief- und Steuermarkendruckerei niedergelassen.

Vor 1958 wurde in der rue Brune gedruckt , dessen Anschrift Cedex Paris-Brune oftmals für die Handelskorrsespondenz mit der Post verwendet wurde. Jedes Jahr werden 4 Milliarden Briefmarken gedruckt, von denen 3,6 Milliarden für den normalen Briefverkehr verwendet werden, 431 Millionen für das Briefmarkenprogramm und 38 Millionen für die ausländische Post. In der Sportwelt ist BBD Basket Boulazac Dordogne ein Begriff. Die Mannschaft spielt in der Pro B-Liga.

 

Périgueux - km 122

39.960 Einwohner

Périgueux, dessen Einwohner sich als Périgourdins oder Petrocoriens bezeichnen, entstand im Jahre 1240 aus dem Zusammenschluss zweier Marktflecken : die Stadt Vesone, die während der gallisch-römischen Zeit Sitz des Bischofs und des Grafen des Périgord war, und der Weiler der Stadt Puy Saint-Front mit deren Bewohnern sich die Menschen aus Vesone nicht besonders verstanden.

Im XIX. Jahrhundert hat sich Périgueux mit dem Bau der ersten Eisenbahnlinie und den Reparaturwerkstätten für Lokomotiven und Waggons wirtschaftlich stark entwickelt, insbesondere zu Zeiten der Eisenbahngesellschaft Paris-Orléans, der sogenannten P.O. Noch heute erfolgt die Wartung und Instandhaltung des Corail, TER oder Téoz in den im Viertel Toulon gelegenen Werkstätten.

Périgueux ist auch die Stadt des Romanschriftstellers und Essayisten Léon Bloy (1863 - 1934).

 

Château L’Évêque - km 132,5

1.760 Einwohner

Château L’Evêque entsteht 1831 durch königlichen Erlass von Louis Philippe und nannte sich damals Preyssac d’Agonac. Der Ort beheimatet ein Schloss aus dem 13. Jahrhundert. Dort war es auch wo im Jahre 1600 François de Boudeilles, Bischof von Périgueux, den jungen Saint-Vincent de Paul zum Priester weihte !

 

Region Poitou-Charentes

Die Region Poetou Chéente, wie sie im ortsansässigen Dialekt (poitevin saintongeais) genannt wird oder Peitau Charantas in Okzitanisch, umfasst Charente, Charente-Maritime, Deux Sèvres und Vienne. Die Einwohnerzahl liegt bei insgesamt 1.700.000 (Picto-Charentais), verteilt auf 14 Arrondissements, 157 Kantone und 1464 Gemeinden. Die Geschichte von Poitou-Charentes beginnt im Jahre 52 v. Chr. mit dem Aufstand des Vercingetorix, der Bestrafung der Santonen und der Piktonen.

732 gelingt es Charles Martel die Araber in Poitiers aufzuhalten ; 799 kommen die ersten Wikinger, welche sich im Jahre 845 Saintes aneignen. Im X. und XI. Jahrhundert beherrschen die Grafen und Herzöge von Aquitanien die derzeitige Region. 1790 wird Poitou-Charente in vier geteilt : Charente, ehemals Angoumois, Niedercharente, ehemals Aunis Saintonge, Deux-Sèvres, ehemals Haut Poitou und Vendée, ehemals Nieder-Poitou.

1946 wird die Brücke, die die Ile d’Oléron mit dem Kontinent verbindet eingeweiht, 1984 das Futuroscope und 1988 die Ile de Ré-Brücke. Zu den jüngsten aufsehenerregenden Ereignissen in der Region Angoulême gehört die Beisetzung von François Mitterand im Januar 1996 in Jarnac. Im Jahre 2002 wird Jean-Pierre Raffarin unter Jacques Chirac zum Premierminister ernannt.

 

Soyaux - km 202,5

10.177 Einwohner

In der Vergangenheit wahrscheinlich Soilis, Suellis, Soellis, Sotelum und schließlich Sotum genannt, war die Stadt Soyaux in gallisch-römischen Zeiten und zu Beginn des Mittelalters der Friedhof Angoulêmes.

 

Angoulême - km 211

43.200 Einwohner

Die Stadt in der Henri III (Heinrich III.) im Kindesalter Herzog war hat einen Wahlspruch der da lautet : « Ich beziehe meine Kraft aus der Loyalität meiner Bürger ».

Angoulême besitzt einen hoch angelegten Stadtteil, die Oberstadt, mit engen Gassen im Norden, und einem tiefer gelegenen Stadtteil im Süden, der Unterstadt sowie Fußgängerzonen im Osten.

Die Oberstadt hat ihr Antlitz seit dem XIX . Jahrhundert kaum verändert und die beste Art und Weise sich persönlich davon zu überzeugen, ist entgegen dem Uhrzeigersinn der Promenade des Remparts entlang dem Stadtwall zu folgen, ausgehend vom Tourismusbüro bis zur Places des Halles.

Von dort aus hat der Besucher einen Ausblick auf die Brücke und die Vorstadt Saint-Cybard und das Charente-Tal.

Das Rathaus der Stadt, erbaut zwischen 1858 und 1868 in einem Mischstil aus Gothik und Rennaissance liegt dort wo ehemals das Herzogschloss stand und ist das Werk des Architekten Paul Abadie, der auch die Basilika Sacré Cœur entworfen hat.

Heute existiert nur noch die tour polygonale (Polygonalturm), der ehemalige Bergfried des XII. und XIV. Jahrhunderts, von wo aus man einen schönen Ausblick auf ganz Angoulême genießt. Das Rathaus hat einen runden Turm aus dem XV. Jahrhundert in dem angeblich Margueritte d ‘ Angoulême im Jahre 1492 das Licht der Welt erblickte. Diejenige, die ihr Bruder Friedrich I. die « Margueritte des Marguerittes » (die Margeritte unter den Margeritten) nannte und die bekannt ist als Verfasserin des « L’Heptaméron » (Heptameron), einer Geschichtensammlung inspieriert von Boccace.

Angoulême und der Comic

Seit dem ersten Comic-Festival in Angoulême hat dieses enorm an Bedeutung hinzugewonnen. Das CNBDI (Centre national de la BD et de l’Image), entworfen von Roland Castro, ist ein herausragendes Gebäude aus Stein und Glas mit einem Vorplatz aus bemalten Steinplatten.

Das Dekor besteht aus bewusst nicht fertiggestellten Zeichnungen und bildet den Rahmen für die schönsten permanenten Comicsammlungen des CNBDI.

Das Museum der Geschichte des Comic schildert die verschiedenen Epochen des französischen und belgischen Comic von der Mitte des XIX. Jahrhunderts bis zur heutigen Zeit und huldigt den Autoren, denen wir die schönsten Seiten des Comic verdanken.

Das Wissenschafts- und Technologiemuseum zeigt die einzelnen Schritte der Entstehung eines Comic auf und das Naturwissenschaftliche Museum stellt das erstaunliche Bestiarium des Comic mit seinen realen und phantatischen Tieren vor.

Das Völkerkundemuseum erinnert an die Helden des Comic, während das Museum der Schönen Künste die ästhetischen Strömungen des Comic Revue passieren lässt.

Angoulême, ein Industriepol

Angoulême mit seinen bedeutenden Papierfabriken hat es geschafft diesen noblen Industriezweig (früher wurde hier auch Ziagrettenpapier hergestellt) unter dem großen Namen « La Couronne » aufrecht zu erhalten. Letztere sind in in ganz Frankreich und über die Landesgrenzen hinaus als Lieferanten von Büropapier (Agenda, Kalender, Notizblöcke, Schreibhefte) bekannt.

Die Universität in Angoulême zählt 3000 Studenten und ist ein Ableger der Universität Poitiers.

Spezialisiert auf den Bereich Bilder, beherbergt Angoulême die Nationale Schule für Videospiele, die Hochschule für das Comicbild in Verbindung mit dem Bildlabor und einer Tonschule.

Die Stadt besitzt ebenfalls ein Haus der Comicautoren, in dem letztere ein oder zwei Jahre verbringen können und das über zwanzig Plätze verfügt.

Die Region Poitou-Charente ist ebenfalls ein bedeutender Drehort für Film und Fernsehen und belegt auf Landesebene hinter Ile-de-France den zweiten Platz . Bleibt nur noch hinzuzufügen, dass die Fahrt mit dem TGV von Angoulême nach Paris nur zwei Stunden dauert.