
Castelsarrasin
188.5 km
Donnerstag 26 Juli
Pau wurde vermutlich im 10. oder 12. Jahrhundert angelegt, um eine Furt des Flusses Gave zu sichern, die den Hirten beim Auf- und Abtrieb als Übergangspunkt von Ossau zu den Weiden in der Ebene von Pont-Long diente. Auf halbem Weg nach Lescar, Sitz der Bischöfe in Morlaàs und Hauptstadt der Vizegrafen von Béarn, steht ein Schloss. Pau wird 1450 offizielle Hauptstadt des Béarn. 1592 wird Pau Hauptstadt der Könige von Navarra. Heinrich II. von Albret, König von Navarra und Seigneur von Béarn, ehelicht Margarete von Angoulême, Schwester Franz I., die das Schloss im Renaissancestil umbauen und prächtige Gärten anlegen lässt. 400 Jahre bevor Louison Bobet erstmals die Weihen der Tour erfährt, bringt Johanna von Albret 1553 ihren Sohn Heinrich von Navarra zur Welt und singt dabei in bearnesisch, damit das kleine Wesen weder „ängstlich sei, noch sich sträuben möge“. Der Neugeborene, der zukünftige König Heinrich IV., wird alsbald mit Jurançon auf den Lippen und Knoblauch getauft!
Von 1830 bis 1914 entwickelt sich Pau zur Wetterstation und zum Sportort. Die Stadt, die 1856 bereits 28.908 Einwohner zählt, hat übrigens den ältesten Golfclub auf dem europäischen Festland, der viele Briten lockt, die sich auch für die Fuchsjagd und die Pferderennen im Hippodrom in Pont-Long begeistern.
Ein Jahrhundert später lebt Pau von seinen immensen Naturschätzen: dem Erdgas, das seit 1951 in Lacq gewonnen wird und die Stadt zum drittwichtigsten Wirtschaftsstandort im Südwesten mit Petrochemie, Chemie, Nahrungsmittelindustrie, Mechanik und Luft- und Raumfahrt aufsteigen lässt.
Heute hat sich die Stadt Heinrich IV. sehr verändert: das Kompetenzzentrum für neue Technologien, der ausgebaute Flughafen mit neuen regelmäßigen Verbindungen nach Amsterdam und London, das Zentrum von TotalFina und Turbomeca (Motoren für die Luft- und Raumfahrt) sind Zeugnisse des Wandels.
In der Welt des Reitsports ist Pau als Wiege der anglo-arabischen Pferderasse bekannt. Das bekannte Gestüt liegt in Gelos im Großraum Pau.
Im Basketball muss man Pau-Orthez ebenso wenig vorstellen wie Coarraze-Nay im Rugby. Beide Städte werden immer im gleichen Atemzug genannt wie die Erfolge ihrer Vereine, die zu den wichtigsten in Frankreich gehören. Obwohl Elan Béarnais bereits 1918 gegründet wurde, rief der Verein erst 1931 eine Basketballabteilung ins Leben. Der Club stieg 1973 in die erste Liga auf, die heute Pro A heißt. Seither wurde Pau-Orthez sage und schreibe neunmal französischer Meister und hatte große Spieler wie Mathieu Bissini, Alain Larrouquin, Frédéric Hufnagel, Conrad Mc Rae, Orlando Philipps, Didier Gadou, Gheorghe Muresan,…
Raymond Mastrotto, der 1934 in Auch (Gers) zur Welt kam und auf den Straßen des Béarn 1984 auf seinem Rad den Tod fand, hat die Region von Pau, oder besser gesagt das Dorf Nay, in dem er lebte, niemals verlassen. Wegen seiner Kraft und seines massigen Körperbaus wurde er der „Bulle von Béarn“ genannt. Als Mastrotto, der immer eine Zote für die Journalisten auf Lager hatte, bei der Tour 1967 im Trikot von France B als Sieger der Etappe von Luchon nach Pau vom Rad stieg, sagte er: „Ich hab dermaßen geschwitzt, dass ich die Kette geölt habe!“
Das Béarn ist auch Heimat von Gilbert Duclos-Lasalle, der 1954 in Lembeyre geboren wurde. Zweimaliger Sieger des Rennens Paris-Roubaix war er seinem Sohn Hervé, der heute ebenfalls als Profi für den Rennstall Cofidis fährt, ein Vorbild in Sachen Ausdauer und Courage.
Morlàas am Ortsausgang von Pau liegt kurz hinter dem tatsächlichen Start. Der Ort, von 1080 bis 1260 Hauptstadt des Béarn, war das Lehensgut von Guillaume Snacho, Herzog der Gasgogne und 848 Bezwinger der Normannen. Er soll seinem Vasallen Loup Fort befohlen haben, den Vizegrafen Centulle II zur Vernunft zu bringen. Der Eifer von Loup Fort aber war größer: Er erdolchte den Vicomte und ließ sein Blut auf der „Cäsarischen“ fließen, so nannte man den Weg, den einst Cesar beschritt und der Lescar und Auch verbindet. Von diesem Verbrechen leitet sich der Name von Morlàas ab, was „ist dort gestorben“ bedeutet.
Diese 1151 gegründete Stadt hatte schon immer eine große Bevölkerung, denn 1300 zählte sie bereits 2000 Einwohner, während Tarbes nur 1500 für sich verbuchen konnte.
Vic-en-Bigorre ist die Heimatstadt des Rugbyspielers Jean Dupuy, der 1934 geboren wurde. Der ehemalige Spieler von Stadoceste Tarbais hatte in den sechziger Jahren international großen Erfolg. Ebenso wie Michel Crauste, Jacky Bouquet, Michel Rancoule und Alfred Roques gewann er viermal das Fünf-Nationen-Turnier, 1964 das Turnier in Südafrika und legte in Australien und Neuseeland eine hervorragende Leistung hin. Als Jugendlicher in Vic erwies sich Jean Dupuy außerdem als guter Klarinettist im lokalen Musikverein. Natürlich war er auch ein hervorragender Sänger, der sich in den Zeiten des Lederballs in den denkwürdigen dritten Halbzeiten in die Brust warf und schmetterte, was das Zeug hielt!
Wenn die Karawane durch diesen kleinen Ort zieht, wird sie an Yvette Horner denken, die große Akkordeonistin der Tour de France zu Zeiten von Robic oder Coppi. In diesen Ort kam die Meisterin des Akkordeons, die 1922 in Tarbes geboren wurde, um sich zu entspannen.
Mit 172.335 Einwohnern gehört das Departement Gers zu den am dünnsten besiedelten Regionen Frankreichs. Es liegt in der ehemaligen Provinz Gascogne. Von den Departements Pyrénées-Atlantiques, Hautes-Pyrénées, Tarn-et-Garonne und Lot-et-Garonne umgeben, zählt es drei Arrondissements: den Hauptort Auch, Condom und Mirande, 31 Kantone und 463 Kommunen.
Das Departement ist eine Hochburg der Schwimmvögel-, Enten- und Gänsemast.
In dieser Gemeinde, die zwischen Auch und Tarbes liegt, steht eine Befestigungsanlage von 1284, die der königliche Seneschall Eustache de Beaumarchés bauen ließ. Der Name Mielan wurde wie bei anderen an Landhäusern reichen Kommunen der Gascogne aus dem Italienischen übernommen (Mailand, im frz. Milan). Das Dorf, das bis zum 17. Jahrhundert in Ruinen lag, erlebte seinen Aufstieg dank der königlichen Straße von Auch nach Tarbes. Mielan ist die Heimat von Jean-Paul David. Der Begründer der antikommunistischen Bewegung „Paix et Liberté“ (Frieden und Freiheit) war übrigens auch Generalsekretär der republikanischen linken Wählervereinigung „Rassemblement des Gauches Républicaines“, bevor er die europäische liberale Partei gründete.
Ein malerisches Dorf mit einer Post im Stil der Gascogne in einem Gemäuer aus der Zeit Heinrich IV., ein Rathaus aus dem 19. Jahrhundert und eine Markthalle aus dem 14. Jahrhundert. Die Szenerie ist so schön, sagt man, dass der „Himmel der Gleiche ist wie über der Toskana“.
Auf dem Gemeindefriedhof liegt Roger Couderc begraben, der 1918 in Souillac geboren wurde und 1984 starb. Als Fernsehjournalist zu Zeiten des öffentlich-rechtlichen Senders ORTF steigerte er den allgemeinen Beliebtheitsgrad des Rugbysports mit damals außergewöhnlichen und einzigartigen Übertragungen der Spiele des Fünf-Nationen-Turniers und der ersten Testspiele.
Er wird für immer mit dem Spruch „Allez les petits“ (Vorwärts, meine Kleinen) in Erinnerung bleiben, den er vor seinem Monitor ausrief.
Nachdem er zusammen mit Robert Chapatte und anderen vom ORTF entlassen wurde, berichtete Roger Couderc für Europe 1 von den Rugbyspielen. Eines Tages begann er eine Live-Übertragung mit einem griffigen Spruch, der legendär werden sollte: „Auf der linken Seite des Radios laufen die Engländer auf, rechts die Franzosen.“
Das Departement Tarn-et-Garonne liegt in der Verwaltungsregion Midi-Pyrénées. Nach Meinung der Historiker wurden seine Umrisse von Napoléon bestimmt, der seine Hand auf eine Frankreichkarte legte. Anhand des hinterlassenen Abdrucks, der vage an die Konturen einer rechten Hand mit nach oben gekehrter Handfläche und einem in die Luft gereckten Zeigefinger erinnert, habe man die Form des Departements Tarn et Garonne festgelegt!
Zwischen den Departements Aveyron, Tarn, Lot, Lot-et-Garonne, Haute-Garonne und Gers gelegen, zählt Tarn-et-Garonne 206.034 Einwohner, die sich auf die beiden Arrondissements Montauban und Castelsarrasin, 30 Kantone, 14 Zweckverbände und 195 Kommunen verteilen.
Nur wenige Kilometer von der Ankunft in Castelsarrasin entfernt, wäre es eine Unterlassung, das Hippodrom Borde-Vieille in Beaumont nicht zu erwähnen, das Austragungsort nationaler Trab- und Flachrennen.
Auf dieser Strecke trainieren, rennen und gewinnen die besten in der Region gezüchteten Vollblüter.
Beaumont ist die Heimat des Mathematikers Pierre de Fermat, und die hiesige Landwirtschaft baut hervorragenden Knoblauch an.
Castelsarrasin hat die Religionskriege gegen die Engländer bis Ende des 12. Jahrhunderts und dann den Kreuzzug der Albigenser bis zur ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts durchlitten.
Ende des 18. Jahrhunderts wurde Antoine Launet, genannt Lamothe Cadillac, der in Saint-Nicolas de la Gave unweit vom Hauptort des Departements geboren wurde, vom König nach Amerika entsandt, wo er die Stadt Detroit gründet! Man hat den energischen Bauherrn in der Welthauptstadt des Automobils nicht vergessen, denn ihm zu Ehren wurden die berühmten Luxuskarossen Cadillac genannt. Übrigens findet alle zwei Jahre ein großes Cadillac-Treffen in Castelsarrasin statt.
Heute ist Castelsarrasin der zweitgrößte Wirtschaftsstandort in Tarn-et-Garonne.
Zu den schönen sakralen Bauwerken von Castelsarrasin gehört auch die Kirche Saint-Sauveur auf der Place de la Raison. Nur aus Ziegelsteinen in reinstem gotischem Stil erbaut, verfügt die Kirche über einen achteckigen, zweistöckigen Glockenturm und einen denkmalgeschützten Innenraum aus dem 17. und 18. Jahrhundert.
Castelsarrasin ist auch die Geburtsstadt von Pierre Perret, Sänger, Komponist und Meisterkoch.
Auch der Sport braucht sich mit 37 Vereinen, die mehr als 2000 Mitglieder zählen, nicht zu verstecken. Der Radsport ist mit Didier Rous, Christophe Rinero, der das gleichnamige Massenradrennen ins Leben rief, und vor allem mit der mehrfachen Bahnweltmeisterin Marion Clignet gut vertreten.
Castelsarrasin ist die Heimatstadt von Gaston Benac, der hier 1881 zur Welt kam, das Jahr, in dem das Plakatierverbot per Gesetz vom 29. Juli 1881 beschlossen wurde. Das Gesetz, dessen Verbot („Défense d’affichage“) plakativ in großen Lettern auf öffentlichen Gebäuden angebracht wurde, regelt in Artikel 1 die Grundsätze der Pressefreiheit: „Buch- und Druckerzeugnisse sind frei“. Ein Zeichen für den zukünftigen Journalisten!
Nach einem Jurastudium fängt der junge Gaston Benac bei der kleinen Tageszeitung „La Petite Gironde bordelaise“ an, wo er sich wie andere Kollegen zunächst am Lokaljournalismus übt.
Dann zieht er nach Paris zu „Auto“ um, der Zeitung von Henri Desgrange, dem Vater der Tour. Er arbeitet auch für „L’Intransigeant“ oder „Paris Midi“ und wird Leiter des Sportressorts bei „Paris Soir“ zu einer Zeit, als dieses Blatt unglaubliche Erfolge feiert.
Mit seinem Kollegen Albert Baker d’Isy gründet er 1930 das „Critérium national“ und den „Grand Prix des Nations“.