Reiseführer

etappe 15 - Foix Loudenvielle-Le Louron 196 km
Montag 23 Juli

Wissenswertes

  • Foix. In der mittelalterlichen Burg befindet sich jetzt das Museum „Musée de l’Ariège“, in dem unter anderem eine wunderbare archäologische Sammlung galloromanischer Exponate zu sehen ist.
  • Saint-Béat. Das „Musée du Trésor“ trumpft mit einer der ältesten, umfangreichsten und als Kulturerbe geschützten Sammlungen von Holzstatuen auf.
  • Loudenvielle-Le Louron. Wir befinden uns an jenem Ort, an dem Miguel Indurain 1991 ganz groß herauskam. In einem Naturkundemuseum erfahren Sie alles über die Flora und Fauna der Pyrenäen.
 

Foix - km 0

9.00 Einw.

Foix, Hauptort des Departements Ariège, ist die kleinste Präfektur Frankreichs mit 9 000 Einwohnern, den so genannten „Fuxéens“. In verschiedenen anderen Departements Frankreichs sind zahlreiche kantonale Hauptorte weitaus stärker bevölkert. Zu Beginn hieß das Departement Pays de Foix. Foix liegt zwischen Saint-Girons im Westen und Perpignan im Osten, Pamiers im Norden und Andorra im Süden und gehörte zunächst zum Herzogtum Aquitaine und anschließend zum Herzogtum Carcassonne. Im XI. Jahrhundert wurde Foix eine Grafschaft.

Das Departement Ariège ist klein, aber fein, denn es ist das einzige, das in seinen Gewässern Gold führt! Ab dem Mittelalter und bis zum Ende des XIX. Jahrhunderts wuschen zahlreiche Goldwäscher den Sand auf der Suche nach Gold-Nuggets. Einige wogen bis zu 15 Gramm und wurden flussabwärts von Foix zwischen Varilhes und Pamiers gefunden.

Die Burg von Foix stammt mindestens aus dem Jahr 1200. Sie war die „Befehlsbühne“ des Grafen von Foix, der gerade geboren war und der diesen Ort zu einer Festung und gleichzeitig zur gräflichen Residenz machte.

Das Musée de l’Ariège ist in der Burg von Foix angesiedelt und beinhaltet zahlreiche urgeschichtliche Gegenstände einer archäologischen, galloromanischen Sammlung, die vom menschlichen Leben in den 300 Höhlen in Ariège zeugt. Jeden Sommer wird in dem Museum von Ariège das Stück „Il était une Foix l’Ariège“ aufgeführt, im Rahmen dessen die Burg in Glut getaucht wird.

 

Bedeilhac-et-Aymat - km 14,5

150 Einw.

In der 1906 entdeckten Höhle sind Stalaktiten und Stalagmiten zu sehen. Bei ersteren handelt es sich um von der Decke hängende Kalkkonkretionen, während zweitere zwar genauso aussehen, sich aber dadurch unterscheiden, dass sie keinen Kanal in der Mitte des Tropfsteins aufweisen.

Die Höhle stammt aus dem so genannten Magdalénien (vor 15 000 Jahren!). Zu sehen ist dort ein schwarzer Bison, dessen Echtheit 1906 von Abt Henri Breuil bestätigt wurde.

 

Saurat - km 17

601 Einw.

Saurat ist eine vorgeschichtliche Stätte, die 1034 entdeckt wurde. Lange Zeit lebten hier Schmiede und Kohlenhändler. Das Dorf beteiligte sich am Krieg der Fräulein. Der Krieg erhielt seinen Namen auf Grund der Landbesitzer und armen Landwirte, die autark in den Wäldern lebten, und die zwischen 1829 und 1872 gegen Karl X. aufbegehrten, als dieser den Armen das Land entziehen wollte. Um ihren Gegner zu täuschen, verkleideten sie sich als Frauen mit langen Roben, Tüchern und Perücken.

 

Massat - km 40,5

589 Einw.

Massat ist die Hochburg der Galy-Gasparrou, die jahrelang das Gemeindehaus führten.

Georges Galy-Gasparrou (1896 - 1979) war von 1921 bis 1977 der erste Gemeinderichter. Er war Staatssekretär für Information im Kabinett von Pierre Mendès France, ebenso wie Staatssekretär unter dem Ratsvorsitz der Regierung Bougès Maunoury.

Der Freiwillige im Jahr 1914 wurde Untersuchungsrichter in Senlis, weigerte sich jedoch, gegenüber Marschall Pétain seinen Eid abzulegen.

Er wurde gefangen genommen, zum Tode verurteilt und floh. Er wurde Generalstaatsanwalt am Obersten Gerichtshof.

 

Saint-Girons - km 65,5

6.254 Einw.

Die Geschichte von Saint-Girons, aus dem Okzitanischen Sent Gironç, hängt mit dem von den Römern gegründeten Saint-Lizier zusammen. Lange Zeit galt der Marktflecken lediglich als Lagerstätte, bevor das Dorf entlang des Salat errichtet wurde. Das Wappen von Saint-Girons ist eine goldene Glocke, wie sie auf Radrennbahnen eingesetzt wird, um die letzte Runde beim Sprint und Verfolgungsrennen einzuläuten.

Saint-Girons ist die Geburtsstadt des internationalen Rugbyspielers Sylvain Dispagne, des surrealistischen Dichters Gabriel Massat und des ehemaligen Ministers für Industrie und Raumordnung Roger Fauroux unter der Regierung Michel Rocard.

Wirtschaftsstandbein von Saint-Girons war lange Zeit die Textilindustrie mit ihren Walkmühlen für Wolle und die Papierfabrik, die dank des klaren Wassers, das sich perfekt für die Verarbeitung des Zellstoffes eignet, einen großen Aufschwung verzeichnete.

Und nicht zuletzt wird auch heute noch in Saint-Girons JOB-Zigarettenpapier in Anlehnung an die Initialien des Erfinders Jean Bardou hergestellt.

 

Moulis - km 72,5

759 Einw.

Dieses Dorf, das sich der Landwirtschaft verschrieben hat, weist keine besonderen Sehenswürdigkeiten auf, ist aber für seinen ausgezeichneten Wein, den Cru du Médoc bekannt.

 

Saint-Béat - km 123,5

364 Einw.

Saint-Béat hieß früher Passus Lupi, was wörtlich übersetzt „Wolfsdurchgang“ heißt. Der Ort ist für seine weißen Marmorsteinbrüche bekannt. Hier steht auch das Geburtshaus von Marschall Joseph Galliéni, Schüler der Militärschule von Saint-Cyr im Jahr 1868, 1870 Offizier gegen die Preußen und am 26. August 1914 am Vorabend des großen Krieges in Paris zum Gouverneur ernannt. Er verstarb am 27. Mai 1916 in Versailles.

Saint-Béat eröffnete das Musée du Trésor, in dem die darin enthaltenen unterirdischen Meisterwerke zu betrachten sind, eine weitere Schatzform… zudem öffentlich!

 

Col de Port

Der Pass Col de Port reicht bis auf 1249 m und ist schon fast ein Klassiker der Pyrenäen-Etappen. Obwohl er 1910 entdeckt wurde (Lapize, 1. Gipfelstürmer), gehört er nicht zu den großen Friedensrichtern, d. h. seinen Brüdern Tourmalet, Aspin und Aubisque. Auch wenn er nicht zu den „großen Etappen“ der Pyrenäen zählt und auch nicht jedes Jahr erklommen wird, hat er dennoch in der Bergwertung einige renommierte Radfahrer hervorgebracht, darunter 1965 den Weltmeister und Klassiker-Rekordhalter, den großartigen Rik Van Looy.

Nach 21 Jahren ohne Tour de France bezwang 1997 Laurent Brochard diesen Pass und die Grande Boucle machte das letzte Mal 2002 dort Station, als Laurent Jalabert den ersten Platz belegte.

 

Departement Haute-Garonne (31)

Das Departement Haute-Garonne in der Region Midi-Pyrénées grenzt an die Departements Ariège, Aude, Tarn, Hautes-Pyrénées und an Spanien (Val d’Aran in Katalonien und die Provinz Huesca in Aragón).

Das Departement zählt 1 046 338 Einwohner in drei Arrondissements (Toulouse, Muret und Saint-Girons), 53 Kantonen, 28 interkommunalen Verbänden und 580 Gemeinden.

Als Wirtschaftsstandbein gilt die Luft- und Raumfahrtindustrie in Toulouse Blagnac als Prunkstück des Departements mit wichtigen Aktivitäten im Dienstleistungssektor und in der Forschung.

 

Portet d’Aspet

Hinter dem Gipfel des Passes Portet d’Aspet wurde eine Grabstele zum Gedenken an Fabio Casartelli errichtet. Sie erinnert Passanten an den olympischen Meister von Barcelona im Jahr 1992, der auf der Abfahrt bei einem schweren Sturz 1995 tödlich verunglückte. Der Pass Portet d’Aspet zählt zu den Klassikern der Tour de France, auf denen der letzte, der den Gipfel als Sieger bezwang, 2005 Eric Dekker war.

 

Col de Menté

Der Pass Col de Mente wird zwangsläufig mit dem Unglück von Luis Ocana auf der Tour 1971 in Verbindung gebracht. Auf 1349 m Höhe stürzte der Kastilier 1971 bei einem tosenden Gewitter, der bis dahin seit seinem fantastischen Aufstieg auf den Gipfel von Orcières-Merlette im gelben Trikot gefahren war. Auf Grund des Gewitters riss es ihn zu Boden, das Bremsvermögen war nur noch reine Hypothese... Luis Ocana hätte noch aufstehen können, aber als er wieder bei Sinnen war und nach seinem Gefährt griff, erwischte ihn Joachim Agostinho mit voller Wucht in Brusthöhe.

Den „Tod in der Seele“ musste der Kastilier die Tour de France aufgeben und dies, obwohl er noch rund neun Minuten Vorsprung auf Eddy Merckx hatte.

José Manuel Fuente gewann die Etappe in Luchon (und am übernächsten Tag die Bergetappe in Bagnères). Der „Kannibale“ verzichtete als Ehrerweisung für Luis Ocana auf das Siegertrikot.

 

Departement Hautes-Pyrénées (65)

Das Departement Hautes-Pyrénées in der Region Midi-Pyrénées zählt 222 368 Einwohner in 3 Arrondissements (der Hauptort Tarbes, Argelès-Gazost und Bagnères de Bigorre), 34 Kantonen, 33 interkommunalen Verbänden und 474 Gemeinden.

Bevor das Departement seinen heutigen Namen erhielt, hätte es Bigorre heißen können, da es in der ehemaligen Provinz von Gaskogne liegt. Mit zwei Enklaven in den Pyrénées-Atlantiques und den Hautes-Pyrénées und an Gers, Haute-Garonne und die Provinz Huesca angrenzend bietet das Departement auf der anderen Seite der Pyrenäen Ebenen zwischen dem Sturzbach von Pau, Argelès-Gazost und Lourdes.

 

Mauléon Barousse - km 140

2.770 Einw.

Mauléon, aus dem Lateinischen „Malus“ (schlecht) und „Leo“ (Löwe), wurde Mauléon Soule auf Baskisch und erhielt erst mit dem Erwerb durch den Lehnsherrn von Soude aus der Herrschaft Barousse seinen endgültigen Namen.

 

Port de Bales

Als Neuheit der Tourstrecke reicht dieser beeindruckende Pass bis auf 1750 m und verbindet das Barousse-Tal mit dem Oueil-Tal auf der Seite der ehemaligen Grafschaft Comminges.

 

Saint-Paul d’Oueil - km 171,5

49 Einw.

Mit nur 6 Einwohnern pro Quadratkilometer dürften sich die 49 Seelen dieses Dorfes ebenso leicht fühlen wie die „beflügelten“ Ausreißer, nachdem sich das vorderste Feld aufgelöst hat!

Auf dem Jakobsweg bietet Saint-Paul d’Oueil mit seinem Chemin du Piedmont eine alternative Route.

 

Garin - km 178,5

102 Einw.

Das im Larboust-Tal gelegene Garin hat nichts mit Maurice, dem Sieger der ersten Tour de France zu tun. 1344 waren in dieser Gemeinde Konsule ansässig, die 1387 die Kapelle Saint-Pié erbauen ließen. Zu sehen sind hier nach wie vor 200 Grabstätten aus der Bronzezeit, die 1978 bei Ausgrabungsarbeiten gefunden wurden.

 

Loudenvielle-Le Louron - km 196

Dieser Thermal- und Touristenort wurde bekannt, als die Tour de France 1991 dort eine Etappe einlegte und Miguel Indurain seinen ersten von fünf Siegen auf der Tour de France einfuhr, nachdem er auf der letzten Geraden in Le Louron seinen Ausreißerkollegen, den Italiener Claudio Chiappucci, hinter sich ließ.

Lange Zeit, bevor die Großen der Straße ihren Einzug hielten, galt Loudenvielle bereits als Etappe auf dem Jakobsweg.

Die Gemeinde beherbergt eine Kirche aus dem XVI. Jahrhundert, die Aranvielle- Kapelle mit Wandmalereien. Drei weitere Kultstätten - ebenfalls mit Wandmalereien - sind über das Tal verteilt.

Angesichts des Kulturtourismus verfügt Loudenvielle mittlerweile über ein Museum, das Axiro, eine museographische Stätte in einem alten Bauernhof, in der unter Zuhilfenahme moderner Techniken Flora und Fauna in einem typischen Umfeld der Pyrenäen erläutert werden.

Ein Teil ist der wertvollen Bauart des Louron-Tals gewidmet, wo Stein, Holz und Schiefer bevorzugt werden. Ferner können Sie in einem kleinen italienischen Theater einem Marionnettenspiel mit Personen einer örtlichen Familie beiwohnen, die vom Bau der Staudämme erzählen, ohne die das Tal diese ausgezeichnete Entwicklung nicht hätte verzeichnen können.

Der hauptsächlich von Franzosen aufgesuchte Familienort Louron verfügt über 20 km Abfahrtpisten und ist das größte Anfängergebiet der Pyrenäenkette. Eine äußerst leistungsstarke Schneekanone kann hier paradoxerweise bis zu 13 °C Kunstschnee erzeugen.

Im gesamten Gebiet werden Schneeschuhwanderungen und „Speed Riding“ praktiziert, eine Art Paragliding mit einem kleinen Segel. Hierbei geht es darum, mit einem klassischen Ski die Abfahrt anzutreten und beim ersten Hindernis dank des Segels vom Boden abzuheben.

Das „Air Boarding“ erfolgt mit einem längeren Rodeluntersatz, auf dem im Allgemeinen abends die Pisten heruntergesaust werden, wenn die Skifahrer bereits dem Après-Ski frönen!