
Albi
54 km
Sonnabend 21 Juli
Es ist der Geburtsort namhafter Persönlichkeiten: Toulouse-Lautrec, Seefahrer und Graf von Pérouse François de Galaup, Namensgeber für das Gymnasium Lapérouse, an dem der Absolvent der geisteswissenschaftlichen Hochschule Jean Jaurès Philosophie unterrichtete, und an dem der spätere Präsident Georges Pompidou seinen Abschluss machte, bevor er am Gymnasium Henry IV in Paris in bestechender Weise die Vorbereitungsklasse zur Aufnahmeprüfung (ugs. frz. Khâgne) für die geisteswissenschaftliche Hochschule (École Normale Supérieure) besuchte. Aus Albi stammt auch der Schauspieler Pierre Mondy.
Der Name Albi geht anscheinend auf „Alby“ oder „Albius“, Honoratior aus Albi, oder auf „Alba“ zurück, eine vermeintliche Anspielung auf die Kalksteinfelsen ringsum die Ortschaft.
Die einstige Katharer-Siedlung Albi hat als Stadt nichts an ihrer Faszination eingebüßt, und ihr roten Ziegelsteine spiegeln sich im smaragdgrünen Wasser des Tarn wider.
In einer berühmten Rede erklärte Jean Jaurès 1888: „In Anbetracht seines schönen Himmels, seiner Ziegelsteinhäuser, seiner terrassenförmigen Gärten und seiner schönen Brücken; seines sonnendurchfluteten Marktplatzes, (….) seiner es im Norden abgrenzenden, kreidehaltigen Anhöhen, die den Hügeln des Latium ähneln, könnte man glatt von einer italienischen Stadt sprechen, die insbesondere Kunst und einer ausgeglichenen Philosophie zuspricht.“
In der Stadt entdeckt der Spaziergänger den um 1625 erbauten Palast von Berbie mit einem massiven Bergfried und einem Festungsgürtel. Am Ende des 17. Jahrhunderts schmückte Le Nôtre den Hof mit einem Garten im französischen Stil. Seit 1922 beherbergt der Palast das Toulouse-Lautrec-Museum, in dem rund 1000 Werke ausgestellt sind.
Die Katharer, vom griechischen Wort katharos „rein“, sind die Anhänger einer dualistischen Religionsbewegung aus dem Mittelalter. Erst spät erhielten die von der Katholischen Kirche als Ketzer eingestuften Katharer diesen Namen von ihren Feinden.
Die Verfechter des Katharismus nannten sich selbst „Gutmütige“, „Gute Menschen“ oder „die wahren Christen“. Die Inquisition bezeichnete sie als „Vollkommene“, was auf den lateinischen Ausdruck hereticus perfectus zurückgeht und jene bezeichnete, denen man im Gegensatz zu den einfachen ketzerischen credentes das consolamentum (spirituelle Taufe durch Handauflegen und Predigen) gespendet hatte.
Die im Wesentlichen in Südfrankreich angesammelten Katharer erlitten ab 1209 eine heftige Unterdrückung mit Waffengewalt, insbesondere durch den Kreuzzug gegen die Albigenser, und dann ein weiteres Jahrhundert lang durch die gerichtliche Verfolgung der Inquisition.
Die Katharer-Doktrin schrieb eine andere Interpretationsweise bestimmter Glaubensartikel vor und stellte die von den Katholiken im 11. Jahrhundert festgelegten sieben Sakramente in Abrede.
Die wesentliche Glaubensaussage der Katharer war der Dualismus mit seinen zwei Grundsätzen: die von Satan geschaffene materielle Welt, aus der Böses hervorgeht; und nur der Geist wurde von Gott geschaffen.
Nach Meinung der katharischen Dualisten existieren die Prinzipien von Gut und Böse seit jeher nebeneinander.
Die „Gutmütigen“ predigten den bedingungslosen Respekt des Lebens und betrachteten sich als einzige Aposteljünger, indem sie die Lebensweise der ersten Christengemeinschaften übernahmen. Sie erachteten die katholischen Praktiken Taufe, Eucharistie oder Ehesakrament als wertlos. Auch die Kirchen als Gebäude hatten für sie keinerlei Bedeutung, da die Worte Christi dort empfangen werden konnten, wo sich seine Gefolgsleute versammelten.
Die Region Midi-Pyrénées bildete die Hochburg des Katharismus, insbesondere in Albi, Toulouse, Carcassonne, und dann Agen sowie Epernon, wo die Ansiedlung am längsten dauerte.
Der Albigenser-Kreuzzug (1209 - 1229) war ein schmerzvoller Waffenkampf, den die Inquisition 1231 ablöste, und der die „ketzerische Verderbtheit“ ausmerzen sollte.
Albi, das nach der letzten Ankunft 1999 und dem Sieg des Italieners Italien Salvatore Comesso wieder im Tourprogramm steht, war Schauplatz einer der dramatischsten Etappen (1968) mit dem Sturz von Raymond Poulidor zwischen Font-Romeu und Albi.
An besagtem Tag hatte der Tourfavorit aus der mittelfranzösischen Region Limousin die Pyrenäen mit einem Vorsprung von 2‘29’’ auf Janssen, Van Springel, Aimar und Bitossi im Gesamtklassement hinter sich gelassen.
Leider stürzte der „ewige Zweite“ mit anderen talentierten Fahrern, darunter besonders dem Spanier Aurélio Gonzalès, unter die Räder eines Presse-Motorrads.
Der benommene Poulidor erhob sich wieder mit blutigem Gesicht und gebrochener Nase, nahm das Rennen aber mutig wieder auf, während ganz vorne der große Roger Pingeon bereits seinen Etappensieg in der Tasche hatte. Als Poulidor schließlich den Zielstrich in Albi in einer Nachzüglergruppe mit einem Rückstand von 4’03’’ erreichte, hatte der arme „Poupou“ nicht nur viel Kraft gelassen, sondern auch alle Hoffnungen auf den Tourgewinn verloren.
Chateaubriand schrieb an einem Juliabend 1838 an Frau Récamier. Nach einer nächtlichen Kutschenfahrt von Rodez aus wundert er sich über die Schönheit des Ortes: „Heute Morgen, in Albi, bin ich in Italien aufgewacht. Ich habe eine Kirche gesehen, die Venedig und Köln zur Ehre gereichen würde.“
Seinerseits schrieb Franz I. über seine Eindrücke: „eine von gutmütigen und angesehenen Menschen bewohnte Stadt mit lauterem Wort und Ruf. Unzählige Geisteswissenschaftler sind Doktoren, Lizenziate, Abiturient, Bourgeois, Kaufleute…“ Beim Anblick der Kirche sieht Prosper Mérimée einfach nur „eine fantastische Verrücktheit“.
Das auf der gallisch-römischen Route gegründete Ambialet verfügt über ein ansehnliches Vermächtnis aus der Frühgeschichte und der gallorömischen Epoche mit Erz und Eisen. Auf Zutun von St. Viktor erbaute man 1057 ein Priorat, das die Hugenotten abbrachen und aus dem unter Raimund VI. eine Festung wurde. Dort traf letzterer 1211 auf Simon von Montfort. Das Lehnsgut fiel 1271 Alphonse von Poitiers zu. Die Ortschaft beherbergt ein Museum des Missionars und gewährt ein wunderbares Panorama auf die Flusswindungen des Tarn.
Der Cunac-Weiler Lanel ist rund um die Sankt-Jakobus-Kirche aus dem 14. Jahrhundert gebaut. Auf den Anhöhen wird der Schaumwein Coteaux de Gaillac (kontrollierte Ursprungsbezeichnung) produziert, und Likör gebrannt. In der Kommune gibt es eine landwirtschaftliche Genossenschaft.